Berufsverband Niedergelassener Chirurgen e.V.

Perioperatives Heparin-Bridging bei Vorhofflimmern meist ohne Vorteile

Wenn sich Patienten, die wegen Vorhofflimmern mit Warfarin behandelt werden, einem elektiven Eingriff unterziehen müssen, steht der Operateur vor der Frage, ob das abgesetzte orale Antikoagulans perioperativ mit niedermolekularem Heparin überbrückt werden sollte. Mit dieser Frage beschäftigt sich die BRIDGE-Studie, deren Ergebnisse vor kurzem als Originalarbeit im New England Journal of Medicine (Douketis J, et al: DOI: 10.1056/NEJMoa1501035, 22. Juni 2015) erschienen sind. An der randomisierten, doppelblinden, placebokontrollierten Multicenter-Studie nahmen insgesamt 1.884 Patienten mit einem Durschnittsalter von 71,7 Jahren teil, die seit mindestens drei Monaten wegen Vorhofflimmerns mit Warfarin behandelt wurden. Sie unterzogen sich überwiegend gastrointestinalen (44,0%), Herz-Thorax- (17,2%) und orthopädischen (9,2%) Eingriffen. Knapp 90 Prozent der Eingriffe fielen in die Kategorie „kleinerer Eingriff mit geringem Blutungsrisiko“. Alle Teilnehmer setzten fünf Tage vor dem elektiven Eingriff Warfarin ab und nahmen die Behandlung einen Tag postoperativ wieder auf. Die Patienten in der Studiengruppe erhielten ein Placebopräparat statt eines Bridgings, die Teilnehmer der Kontrollgruppe bekamen ein Bridging mit niedermolekularem Heparin.

Primäre Endpunkte der Studie waren die Häufigkeit arterieller Thromboembolien und die Häufigkeit schwerer Blutungen. Ausgewertet wurden Ereignisse bis 30 Tage postoperativ. Es zeigte sich, dass die Rate thromboembolischer Komplikationen ohne Bridging sich nicht signifikant von der entsprechenden Rate mit Briding unterschied. Allerdings traten in der Studiengruppe ohne Bridging deutlich weniger schwere Blutungen auf als in der Kontrollgruppe mit Bridging (1,0% vs. 3,0%). Angesichts dieser Ergebnisse erklärte Prof. Jürgen Ennker, Herzchirurg und leitender Arzt am Helios Klinikum Siegburg, gegenüber dem Online-Magazin „Medscape“, er wolle sein präoperatives Vorgehen angesichts der Studienergebnisse in Zukunft überdenken: „In Anbetracht der neuen Resultate werde ich nach Berücksichtigung individueller Parameter geeigneten Patienten mit Vorhofflimmern durchaus empfehlen, die Antikoagulation präoperativ wegzulassen“, sagte Ennker auf Nachfrage von Medscape. Die Autoren der BRIDGE-Studie weisen allerdings unter anderem darauf hin, dass die Studienteilnehmer alle Warfarin erhalten hatten, welches im klinischen Alltag zunehmend durch die neuen oralen Antikoagulantien (NOAK) abgelöst wird. Für diejenigen Patienten mit Vorhofflimmern, die mit Warfarin behandelt werden, scheint es aber einen signifikanten klinischen Benefit zu geben, wenn während der perioperativen Unterbrechung ihrer oralen Antikoagulation auf ein Bridging mit niedermolekularen Heparinen verzichtet wird.

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