„Wir leben alle auf dieser Erde mit ihren begrenzten Ressourcen“, begann der Berliner Hernienexperte Dr. Ralph Lorenz seinen Vortrag und verwies auf den sogenannten ‚Erdüberlastungstag‘ (Earth Overshoot Day), der für Deutschland 2022 auf den 28. Juli gefallen ist: An diesem Tag waren rechnerisch die natürlichen Ressourcen aufgebraucht, die im Laufe eines Jahres von der Erde regeneriert werden. „Auch die Chirurgie ist ein relevanter Produzent von klimaschädlichen Faktoren“, betonte Dr. Lorenz, der dem interessierten Auditorium in der Folge eine Reihe von Gedankenanstößen vermittelte, wie sich die Klimabilanz beim Operieren verbessern lassen könnte.

    Als einen zentralen Punkt nannte er die Indikationsstellung, schließlich hat ein OP-Verzicht die beste Klimabilanz. In der Hernienchirurgie könne man beispielsweise dazu übergehen, Verdachtsfälle auf Hernien nicht sofort zu operieren – möglicherweise handele es sich ohnehin nicht um eine Hernie, sondern um einen nicht korrekt diagnostizierten Leistenschmerz. „Chirurgen selbst sind oft höchst kritisch, wenn es um eigene Operationen geht“, betonte Dr. Lorenz. Wenn sie bei sich selbst aber eher zurückhaltend eine OP-Indikation stellen würden, warum empfehlen sie ihren Patientinnen und Patienten dann zu einem viel früheren Zeitpunkt einen operativen Eingriff? „Wir müssen also überlegen, wie wir unnötige OPs und damit auch Ressourcen einsparen können.“

    Doch auch der Ort der Leistungserbringung wirke sich auf die Klimabilanz aus: „Nur 15% der Leistenhernien in Deutschland werden ambulant operiert, Tendenz sinkend!“, mahnte Dr. Lorenz. Dabei könne die Ambulantisierung die Klimabilanz verbessern, betonte der Chirurg mit Blick auf die rasche OP-Taktung und sparsameren Materialeinsatz im ambulanten Bereich. Im OP selbst – ob in der Klinik oder im ambulanten OP-Zentrum – könne man durch die Umrüstung der Beleuchtung auf LED, durch passend dimensionierte Instrumentensiebe oder den Verzicht auf Einwegmaterialien bei der OP-Abdeckung die CO2-Bilanz verbessern. Auch im Umgang mit OP-Müll könne man einen Unterschied machen: „Nicht jeder OP-Müll ist kontaminiert und muss verbrannt werden. Man kann auch im OP Müll trennen – das machen wir doch zu Hause auch!“

    Zuguterletzt wies Dr. Lorenz auf den unterschiedlichen Ressourcenverbrauch bei den verschiedenen OP-Techniken hin: „Wir haben heterogene Patienten mit sehr unterschiedlichen Hernien, und jeder macht seinen eigenen tailored approach. Wenn die verschiedene Techniken am Ende aber doch ähnliche Ergebnisse liefern, sollten wie dann bei der Wahl der OP-Methode nicht auch die Klimabilanz berücksichtigen?“, fragte er und schloss: „Wir haben viel mehr Steuerungs- möglichkeiten als wir denken!“

    Sein Nachredner, Prof. Christian Schulz von der Berliner Denkfabrik Centre for Planetary Health Policy (CPHP) betonte allerdings: „Es geht nicht nur um Abfallmanagement. Wir sollten unsere Rolle im Gesundheitssektor breiter auffassen und auch Lebensstilfaktoren sowie Prävention berücksichtigen.“ Pro Einwohner würden jährlich 0,71 Tonnen CO2 nur für Gesundheits- bzw. Krankheitsversorgung emittiert. „Die Diskussion wird virulenter, wir als Ärztinnen und Ärzte müssen uns positionieren“, forderte der Experte, der vor seiner Tätigkeit für das CPHP als Anästhesist gearbeitet hat. Es gehe auch darum, Krankenhäuser und Praxen an künftige Hitzewellen anzupassen, damit auch in Extremwetterlagen die medizinische Versorgung sichergestellt sei. Inzwischen hätten glücklicherweise etliche Fachgesellschaften den Ernst der Lage erkannt: „Unser Verein verdoppelt zurzeit jährlich seine Mitgliederzahlen. Die Fachgesellschaften sind unterschiedlich weit bei ihren Aktivitäten zur Klimaneutralität – und wir sehen unsere Aufgabe auch darin, sie interdisziplinär zu vernetzen“, schloss Prof. Schulz.

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