Wie der VMF mitteilt, richtet sich der Protest an die Bundesregierung, „die nach der Hälfte der Legislatur ihre Versprechen aus der Koalitionsvereinbarung zur Stärkung der Gesundheitsberufe und zur Fachkräftesicherung bricht“. Statt einer Stärkung seien lediglich Spargesetze auf den Weg gebracht, worden die zum einen die ambulante Gesundheitsversorgung gefährden und außerdem den Spielraum für die Verbesserung der Arbeitsbedingungen erheblich einschränken. „Noch immer arbeiten Medizinische und Zahnmedizinische Fachangestellte zum großen Teil im Niedriglohnbereich oder knapp darüber“, kritisiert der Verband. Die geplanten Versorgungs- und Digitalisierungsgesetze,die gerade vom Bundesministerium für Gesundheit in die parlamentarischen Beratungen gegeben wurden, setzen nach Auffassung des VMF „immer noch kein Zeichen für eine Stärkung der ambulanten Versorgung“. Stattdessen solle in den Aufbau von Gesundheitskiosken investiert und damit neue Schnittstellen geschaffen werden, deren Koordination weitere Ressourcen bindet.
Zu den Unterstützern des Protests gehört auch der Spitzenverband Fachärzte (SpiFa) mit den ihm angeschlossenen ärztlichen Berufsverbänden. „Die Gesundheitspolitik schenkt derzeit der ambulanten Medizin zu wenig Beachtung“, heißt es in einer Pressemitteilung des SpiFa, „dies gilt insbesondere auch für die personelle Situation in Arztpraxen.“ Mit der Verweigerung eines Corona-Bonus, Spargesetzen, die die ambulante Versorgung schwächen, und einer weiterhin fehlenden effizienten Digitalisierung heize sie den Fachkräftemangel in der ambulanten Versorgung weiter an. „Viele MFA verlassen ihren Beruf und wandern ins Krankenhaus ab“, warnte der SpiFa.
Dabei seien MFA in der ambulanten Versorgung unverzichtbar. „Die Gesundheitsleistungen, die in einer Praxis angeboten werden, sind immer eine Teamleistung, hier kümmern sich Ärztinnen und Ärzte gemeinsam mit dem medizinischen und nicht-medizinischen Fachpersonal um die Patientenversorgung“, betonte der Dachverband weiter. Bereits jetzt verliere die ambulante Versorgung zu viele MFA an Kliniken und Pflegeeinrichtungen. „Wenn MFA ab dem 1. März 2024 im öffentlichen Dienst mit einem Brutto-Stundenlohn von 17,34 Euro rechnen können oder ab 1. Mai 2024 der Mindestlohn für qualifizierte Pflegehilfskräfte auf 16,50 Euro angehoben wird bzw. MFA als qualifizierte Pflegehilftkraft nach TVÖD-P 17,71 Euro erhalten, fürchten wir eine weitere enorme Abwanderungswelle“, mahnte der SpiFa.
Für die vertragsärztlichen Praxen seien MFA mittlerweile „der Goldstaub der Praxis“ und verdienen deutlich mehr öffentliche Anerkennung. Daher solidarisiert sich der SpiFa mit dem Protest des VMF und ruft die Praxisteams dazu auf, sich am Protesttag in Berlin zu beteiligt. Flankierend veröffentlicht der SpiFa in den sozialen Medien Statements und Porträtfotos von Ärzt*innen und Praxisteams, die der Gesundheitspolitik die sprichwörtliche rote Karte zeigen. Auch der BNC-Vorsitzende Jan Henniger ist mit einem solchen Statement vertreten.
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