Die Orthopädischen Nachrichten schrieben am
21. Juni 2011:
Spezialfachärztliche Versorgung:
Bürokratiemonstrum ohne Nutzen für Ärzte und ihre Patienten
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"Die neue
Versorgungsschiene gehört in die Hände der Bundesärztekammer", fordert
Dieter Haack.
(Foto: BNC) |
21.06.2011 (BIERMANN)
Der Berufsverband Niedergelassener Chirurgen (BNC) lehnt die Struktur der
"spezialfachärztlichen Versorgung" im Referentenentwurf des
GKV-Versorgungsgesetzes ab. Über das Leistungsspektrum und den Zugang von
Fachärzten zu dieser neuen Versorgungsschiene soll nämlich ausschließlich
der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) entscheiden. BNC-Präsident Dr.
Dieter Haack fordert: "Die neue Versorgungsschiene gehört in die Hände der
Bundesärztekammer, denn sie kontrolliert ohnehin die fachärztliche
Weiterbildung und die Qualität in allen Versorgungsebenen."
Haack erinnert daran, dass der neue Bundesärztekammer-Präsident Dr.
Frank-Ulrich Montgomery intensive politische Diskussionen angekündigt hat:
"Wir hoffen, dass die Bundesärztekammer bei der spezialfachärztlichen
Versorgung nicht länger übergangen wird."
Die Folgen der geplanten Struktur wären nach Auffassung von Haack
bedenklich: "Es ist falsch, dem G-BA als politisch gesteuerter Institution
derart viel Macht einzuräumen. Unter dem Druck politischer Sparziele wird
der G-BA viele niedergelassene Fachärzte von der spezialfachärztlichen
Versorgung ausschließen." Der BNC kritisiert zudem das komplizierte
Prozedere: "Der G-BA legt die Qualitätsvorgaben fest, niedergelassene
Fachärzte müssen sich bei ihrer Landesbehörde, bei den Landesverbänden der
Krankenkassen, der Kassenärztlichen Vereinigung und der
Landeskrankenhausgesellschaft anmelden - und dies für einige wenige
Leistungen, die ebenfalls vom G- BA festgelegt werden. Hier entsteht ein
neues Bürokratiemonstrum!", warnt Haack.
Der BNC moniert außerdem, dass die geplante "spezialfachärztliche
Versorgung" dem Gedanken von gleichberechtigter Kooperation zwischen
ambulantem und stationärem Sektor widerspricht. "Ambulante Operateure
haben in der Vergangenheit viele Leistungen aus dem stationären Bereich
übernommen, ohne dass diesen Leistungen Geld gefolgt wäre oder die
entsprechenden Arztbudgets (RLV und QZV) angepasst worden wären", schimpft
Haack. Niedergelassene Fachärzte müssen trotz dieser vielen Stellschrauben
alle Investitionen für die Ausstattung und die Qualitätssicherung in ihren
Praxen aus eigener Tasche finanzieren, während Krankenhäuser von ihren
Trägern bezuschusst werden. "Der geplante Investitionskostenabschlag von
5% für Leistungen am Krankenhaus kann dieses Ungleichgewicht nicht einmal
ansatzweise beseitigen", erläutert Haack.
Der BNC ist der Berufsverband der freiberuflichen Chirurgen in
Deutschland, deren Interessen er durch einen Bundesvorstand sowie 25
regionale Landesverbände (ANC) vertritt. Er engagiert sich für die Aus-
und Weiterbildung seiner Mitglieder und setzt sich für eine Förderung der
ambulanten chirurgischen Behandlung sowie des interdisziplinären
Austauschs ein. Der Verband führt hierzu auf Bundesebene den Dialog mit
Politikern, Krankenkassen, Wirtschaft und anderen Berufsverbänden. (red)
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