Der Schütze Brief schrieb am 10. März 2011:

Versorgung: Chirurgen sehen schwarz

Bis zum Jahr 2020 werden etwa 55 % der niedergelassenen Chirurgen und 32 % der Krankenhauschirurgen in Deutschland in Rente gehen. Bereits heute verzeichnen 35 % der Kliniken unbesetzte Facharztstellen, bei den Assistenzarztstellen ist sogar in jeder zweiten Klinik mindestens eine Stelle vakant.
Das ist die Alarmmeldung des 13. Bundeskongresses des Berufsverbandes der Niedergelassenen Chirurgen (BNC), des 25. Chirurgentages des Berufsverbandes der Deutschen Chirurgen (BDC) und der Jahrestagung des Bundesverbandes für Ambulantes Operieren (BAO), die unter Beteiligung der Deutschen Gesellschaft für Plastische und Wiederherstellungschirurgie erstmalig unter einem Dach stattfanden
Als Reaktion auf diese Entwicklung wurde die vermehrte Delegation von Leistungen als alternativlos angesehen. Die Kliniken könnten in diesem Punkt viel von niedergelassenen Chirurgen und Belegpraxen lernen, wo qualifizierte Arzthelferinnen den Arzt längst von vielen Tätigkeiten entlasteten.
Ein wichtiger Schritt sei auch die Schaffung qualifizierter Berufsbilder, etwa der/des Chirurgisch-Technischen Assistentin/Assistenten (CTA) oder der/des Chirurgisch-Administrativen Assistentin/Assistenten (CAA), für die der BDC gerade ein modulares Weiterbildungskonzept entwickelt habe. Allerdings müsse immer der Arzt die ganzheitliche Verantwortung für den Patienten tragen. Delegieren heiße zwar übertragen, doch die Verantwortung für durchgeführte Tätigkeiten bleibe beim Arzt. Es müsse klar definiert werden, wer wen wie, wann und wo behandeln könne und dürfe.
Es sei unstreitig, dass die strikte Trennung zwischen ambulanter und stationärer Versorgung im deutschen Gesundheitssystem längst überholt sei. Die chirurgischen Berufsverbände engagierten sich seit vielen Jahren für neue Versorgungsmodelle, darunter die Integrierte Versorgung, Tageskliniken sowie das Beleg- und Honorararztwesen.