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Gesundheit/Ärzte/(dpa-Gespräch - Zusammenfassung 1130)
Chirurgenverband: Deutsches Gesundheitssystem hat sich «totgelaufen»
Nürnberg (dpa/lby) - Das deutsche Gesundheitssystem wird nach Ansicht des
Berufsverbandes Niedergelassener Chirurgen (BNC) in absehbarer Zeit
zusammenbrechen. «Es gab Reformen über Reformen, aber es funktioniert
einfach nicht», sagte BNC-Vizepräsident Philipp Zollmann in einem Gespräch
mit der Deutschen Presse-Agentur dpa. In Zukunft sollten Krankenkassen oder
Patienten grundsätzlich direkt Verträge mit den Ärzten über eine Behandlung
abschließen, statt wie bisher meist die Kassenärztlichen Vereinigungen
dazwischen schalten zu müssen. Schon jetzt würden mehr und mehr solcher
Direktverträge geschlossen. Zollmann: «Das System hat sich totgelaufen.»
In den vergangenen Jahren sei das deutsche Gesundheitssystem immer stärker
reguliert worden, überall seien die Budgets immer kleiner geworden. «Das
kann doch nicht funktionieren, so eine Planwirtschaft, die extrem
leistungsfeindlich ist», sagte Zollmann. «Man macht den Markt künstlich
kaputt.» Stattdessen müsse es mehr Freiheit geben, denn das Gesundheitswesen
sei ein «boomender Markt» und werde durch die Überalterung der Bevölkerung
immer weiter wachsen. «Wenn man das florieren lässt, könnte man zum Beispiel
auch viele neue Arbeitsplätze schaffen.»
Durch schrumpfende Honorare für immer teurere Leistungen seien viele Ärzte
heute schon so in Bedrängnis, dass sie auf Direktverträge mit den
Krankenkassen angewiesen seien. Seit den neuen Regelungen durch den
Gesundheitsfonds habe sich die Situation noch verschlechtert. Bei den
Direktverträgen bekämen beispielsweise spezialisierte Ärzteteams für ihre
Leistungen - etwa ambulante Operationen - eine angemessene Bezahlung. Auch
für die Krankenkassen sei es langfristig billiger, mehr zu bezahlen, denn
durch moderne Behandlungsmethoden würden zum Beispiel die Krankenzeiten
kürzer.
«Wenn es im normalen, regulierten Markt nicht funktioniert, dann bilden sich
eben Zweitmärkte», erläuterte Zollmann. «Man kann den Kollegen heute schon
wünschen, dass sie wenigstens ein paar Direktverträge haben, damit sie nicht
nur von Privatpatienten leben müssen.»
Zwar sei das Gesundheitssystem über die Kassenärztlichen Vereinigungen
grundsätzlich eine gute Sache - doch dann müssten die Honorare auch «in
diese Welt passen», meinte Zollmann. «Wenn die KV durch den Gesetzgeber so
kaputt und klein gemacht wird, geht es eben nicht mehr.» In Nürnberg treffen
sich noch bis Sonntag rund 1000 Mediziner zum 11. Bundeskongress
Niedergelassener Chirurgen.
Gespräch: Britta Gürke, dpa |
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