Die Deutsche Presseagentur dpa meldete am 6. März 2009:
 

Gesundheit/Ärzte/(dpa-Gespräch - Zusammenfassung 1130)

Chirurgenverband: Deutsches Gesundheitssystem hat sich «totgelaufen»

Nürnberg (dpa/lby) - Das deutsche Gesundheitssystem wird nach Ansicht des Berufsverbandes Niedergelassener Chirurgen (BNC) in absehbarer Zeit zusammenbrechen. «Es gab Reformen über Reformen, aber es funktioniert einfach nicht», sagte BNC-Vizepräsident Philipp Zollmann in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur dpa. In Zukunft sollten Krankenkassen oder Patienten grundsätzlich direkt Verträge mit den Ärzten über eine Behandlung abschließen, statt wie bisher meist die Kassenärztlichen Vereinigungen dazwischen schalten zu müssen. Schon jetzt würden mehr und mehr solcher Direktverträge geschlossen. Zollmann: «Das System hat sich totgelaufen.»

In den vergangenen Jahren sei das deutsche Gesundheitssystem immer stärker reguliert worden, überall seien die Budgets immer kleiner geworden. «Das kann doch nicht funktionieren, so eine Planwirtschaft, die extrem leistungsfeindlich ist», sagte Zollmann. «Man macht den Markt künstlich kaputt.» Stattdessen müsse es mehr Freiheit geben, denn das Gesundheitswesen sei ein «boomender Markt» und werde durch die Überalterung der Bevölkerung immer weiter wachsen. «Wenn man das florieren lässt, könnte man zum Beispiel auch viele neue Arbeitsplätze schaffen.»

Durch schrumpfende Honorare für immer teurere Leistungen seien viele Ärzte heute schon so in Bedrängnis, dass sie auf Direktverträge mit den Krankenkassen angewiesen seien. Seit den neuen Regelungen durch den Gesundheitsfonds habe sich die Situation noch verschlechtert. Bei den Direktverträgen bekämen beispielsweise spezialisierte Ärzteteams für ihre Leistungen - etwa ambulante Operationen - eine angemessene Bezahlung. Auch für die Krankenkassen sei es langfristig billiger, mehr zu bezahlen, denn durch moderne Behandlungsmethoden würden zum Beispiel die Krankenzeiten kürzer.

«Wenn es im normalen, regulierten Markt nicht funktioniert, dann bilden sich eben Zweitmärkte», erläuterte Zollmann. «Man kann den Kollegen heute schon wünschen, dass sie wenigstens ein paar Direktverträge haben, damit sie nicht nur von Privatpatienten leben müssen.»

Zwar sei das Gesundheitssystem über die Kassenärztlichen Vereinigungen grundsätzlich eine gute Sache - doch dann müssten die Honorare auch «in diese Welt passen», meinte Zollmann. «Wenn die KV durch den Gesetzgeber so kaputt und klein gemacht wird, geht es eben nicht mehr.» In Nürnberg treffen sich noch bis Sonntag rund 1000 Mediziner zum 11. Bundeskongress Niedergelassener Chirurgen.

Gespräch: Britta Gürke, dpa