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Mit der Lokaltherapie erreicht man nur die Spitze des Eisbergs, vor
Beginn der lokalen Wundbehandlung müssen nach Auffassung des Hamburger
Wundexperten Werner Sellmer zunächst die umfassende Diagnostik, die Klärung
der Krankheitsursachen und der wunderhaltenden Faktoren stehen.
Die zeitgemäße Lokaltherapie ist ein zentrales Anliegen in der Therapie
chronischer Wunden. „Immerhin schauen wir unweigerlich zuerst auf die
sichtbare Wunde, auf das Loch im Gewebe“, sagte Werner Sellmer, Apotheker
und Projektleiter „Wundmanagement“ der Asklepios Kliniken Hamburg, bei einem
Pressegespräch der Firma Urgo GmbH am 7. Oktober 2009 in Hamburg anlässlich
der Markteinführung von zwei neuen Wundauflagen. Dennoch erreiche man mit
der Lokaltherapie nur die sprichwörtliche Spitze des Eisbergs. Vor Beginn
der lokalen Wundbehandlung müsse zunächst die umfassende Diagnostik, die
Klärung der Krankheitsursachen und der wunderhaltenden Faktoren stehen.
Lokale Wundbehandlung ersetzt nie die Kausaltherapie
Ohne geeignete Kausaltherapie und Patientenschulung sei eine Lokaltherapie
oft über Jahre erfolglos. „Darüber hinaus sollte der Behandler sich nicht
scheuen, einen erfahrenen Kollegen um Rat zu fragen, wenn die Lokaltherapie
nicht zum Erfolg führt oder ins Stocken gerät“, empfahl Sellmer. Gleiches
gelte für eine Keimdiagnostik, um eine Besiedelung mit
Methicillin-resistenten Staphylococcus aureus (MRSA) auszuschließen. Als
Vorstandsmitglied des Wundzentrums Hamburg e. V. erläuterte Sellmer die
aktuellen Standards einer modernen Lokaltherapie. „Neue Erkenntnisse
verdrängen alte Produkte vom Markt, wir haben im Wundzentrum daher eine
Negativliste mit Dingen erstellt, die in einer Wunde nichts mehr zu suchen
haben.“
Negativliste des Hamburger Wundzentrums
Diese Liste umfasse folgende Substanzen und Methoden:
• Lokalantibiotika wegen ihrer schlechten Penetration der Wunde und aufgrund
der Resistenzlage.
• Farbstoffe, „denn sie haben keinen Effekt außer Flecken auf der
Bettwäsche.“
• Enzymatische Wundtherapeutika, die seit 2003 fast ausnahmslos vom Markt
verschwunden sind.
• Desinfektionsmittel wie Jod, für die es moderne Alternativen gibt.
• Lebensmittel wie Honig, „denn wenn sie helfen würden, hätten wir nicht
vier Millionen Wundpatienten
in Deutschland.“
• Unsteriles Wasser, „denn der Biofilm ist ein Dorado für Keime.“
Geeignete Substanzen und moderne Maßnahmen
Als geeignet für eine wirkungsvolle Lokaltherapie empfahl Sellmer folgende
Substanzen und Maßnahmen:
• Moderne Wundverbände – „mittlerweile sind etwa 500 verschiedene
Hydroaktivverbände erhältlich.“
• Farblose und schmerzfreie Antiseptika
• Physiologische Kochsalz- oder Ringerlösung für die Wundspülung. „Für den
ambulanten Bereich gibt
es wegen der kurzen Verbrauchsfrist nach Anbruch konservierte
Wundspülungen.“
• Sterilduschfilter, „denn sie verhindern, dass Keime über den Duschkopf in
die Wunde gelangen.“
• Madentherapie, „auch wenn sie ekelig ist – sie ist oft die letzte Chance,
die Extremität zu erhalten.“
• Unterdrucktherapie, in Kombination mit modernen Antiseptika besonders
geeignet für große und
infizierte Wunden.
• Ultraschall für die Wundreinigung, „auch wenn diese Methode das
chirurgische Débridement niemals
ersetzen kann. Nur das geschulte Auge des Chirurgen kann zwischen
vitalem und avitalem Gewebe
unterscheiden.“
• Elektrostimulation (TENS) der Wunde, „auch wenn noch nicht vollständig
klar ist, wann diese Methode
indiziert ist.“
• Moderne Lokalanästhetika zur Behandlung von Schmerzen beim Verbandwechsel
• Pflasterlöser, die den Verband- und Pflasterwechsel erleichtern und
Silikonwundverbände, die beim
Entfernen keinen Schmerzreiz auslösen
• Moderner Hautschutz, „zum Beispiel mit Cavilon, das den Wundrand
stabilisiert und so Mazerationen
verhindern.“
• Aktive Wundauflagen, die unmittelbar in den Wundstoffwechsel eingreifen
und so die Wundheilung
fördern
„Vor allem aber sollten wir unsere Patienten ermutigen, auch nach
jahrelangen frustranen Verläufen, zum Beispiel mit einem offenen Bein, einen
neuen Versuch zu wagen, die Wunde zu schließen“, meinte Sellmer.
Die vollständigen Standards des Wundzentrums finden Sie unter folgenden
Internetseiten:
www.wundzentrum-hamburg.de
www.werner-sellmer.de
Autorin: Antje Soleimanian, freie Medizinjournalistin, Redakteurin Chirurgen
Magazin und www.bncev.de
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