Hygiene: Gefährden nicht-sterile Hyaluronspritzen die Keimfreiheit des Operationsfeldes?


Dr. Ernst Tabori ist Ärztlicher Leiter für Bauhygiene und ambulantes Operieren im Beratungszentrum für Hygiene (BZH) in Freiburg. Er berät unsere Leser in allen Fragen der Praxishygiene und Infektionsprophylaxe.

Frage: Mit der Anwendung von Hyalart intraartikulär wird von einigen Herstellern die Oberfläche der Fertigspritze nur als „keimarm“ deklariert. Ergeben sich hieraus Anwendungsbeschränkungen für derartige Präparate in Bezug auf die Keimfreiheit des Injektionsfeldes?

Antwort: Es scheint sich bei dem angesprochenen Produkt um Hyaluronsäure als Inhaltsstoff zu handeln, die neben der orthopädischen Anwendung gelegentlich auch als Zusatz in der Augenheilkunde bei peribulbären Blockaden verwendet wird.

Das Präparat ist erhältlich in Fertigspritzen, bei der nur die Kanüle und der Spritzeninhalt steril sind. Die Außenfläche der Spritze selbst ist nicht steril, kann also auch nicht in ein steriles Feld gelegt werden (dies gilt übrigens auch für manche NaCl-Fertigspritzen!).

Das heißt, wenn das ganze Prozedere im Rahmen einer Operation erfolgt, ist es aus hygienischer Sicht erforderlich, entweder die Spritze zur Injektion separat anzureichen und anschließend die sterilen Handschuhe zu wechseln oder aber das Produkt wird in ein steriles Gefäß entleert und daraus entnommen.

Bei einer „einfachen“ Gelenkinjektion ohne OP-Bedingungen ist bei der Handhabung darauf zu achten, dass mit der injizierenden Hand die Hautoberfläche nicht berührt wird. Das heißt: Spritze nicht weglegen, nochmals palpieren und dann wieder injizieren.

Haben auch Sie Fragen zur Praxishygiene?
Schreiben Sie an die BNC-Geschäftsstelle
(Fax: 040 60 32 91 18 oder info@bncev.de) oder an die Redaktion des Chirurgen Magazins (Fax: 040 32 59 61 12 oder
antje.soleimanian@bncev.de), Ihre Anfrage wird dann anonymisiert weitergeleitet und gegebenenfalls an dieser Stelle mit der Antwort von Dr. Tabori veröffentlicht.
 

 
Quelle: Chirurgen Magazin 35, Heft 5/08 (Oktober/November 2008)
 

Mi.  29.10.2008