|
Kindliche Hämangiome bilden sich oft innerhalb des ersten Lebensjahrs
spontan ohne Narbenbildung zurück, berichtete der Präsident der Deutschen
Gesellschaft für Kinderchirurgie (DGKCH) Dr. Ulrich Hofmann beim 125.
Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie am 23. April 2008 in
Berlin.
Kindliche Hämangiome bilden sich oft innerhalb des ersten Lebensjahrs
spontan ohne Narbenbildung zurück, berichtete der Präsident der Deutschen
Gesellschaft für Kinderchirurgie (DGKCH) Dr. Ulrich Hofmann beim 125.
Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie am 23. April 2008 in
Berlin.
Schwierig sei allerdings eine Prognose der Wachstumspotenz dieser gutartigen
Gefäßwucherungen: „Man sollte sie deshalb in kurzen Intervallen beobachten
und individuell entscheiden, ob sie behandlungspflichtig sind oder ob man
zuwarten kann.“ Als Faustregel riet Hofmann, auf Veränderungen der
Oberfläche zu achten: „Wenn sie grau und mit weißen Pünktchen belegt ist,
ist das Hämangiom bereits auf dem Rückzug.“ Rasches Handeln sei aber
angezeigt, wenn sich ein Hämangiom rasant und großflächig ausbreite.
„Kritisch sind rasch wachsende Blutschwämme vor allem am Oberlid, die im
schlimmsten Fall das Auge zuwuchern können.“
Vorsicht bei Hämangiomen in Augennähe und am Oberlid
Hämangiome in Augennähe und in anderen kritischen Regionen wie im Anal- und
Genitalbereich oder an der weiblichen Brust sollten deshalb unbedingt
entfernt werden. Eine zeitnahe Therapie sei auch beim Befall des zentralen
Nervensystems und der inneren Organe angezeigt, deren Funktion Hämangiome
auf Dauer beeinträchtigen würden.
Zur Therapie bei Organbefall und auch bei sehr großen Hämangiomen im Gesicht
empfahl der DGCH-Präsident die systemische Kortison- oder radiologische
Sklerosierungstherapie. „Die Gabe von Interferon ist wegen der Gefahr
neurologischer Schäden mittlerweile nicht mehr Methode der Wahl.“
Für die Wahl der geeigneten Lokaltherapie sei die Größe des Hämangioms
entscheidend: „Kleine und flache Hämangiome mit einem Durchmesser von
weniger als einem Zentimeter sprechen gut auf eine einfache Kyrotherapie
ohne Narkose an.“ Erhabene und größere Blutschwämme und auch Hämangiome an
Luft- oder Speiseröhre hingegen erforderten meist eine Lasertherapie unter
Vollnarkose.
Allein der Begriff „Tumor“ macht Eltern bereits Angst
Die Wahl der Methode hänge aber auch davon ab, welcher Facharzt das Kind
behandele: „Plastische Chirurgen tendieren erfahrungsgemäß eher zur
Operation“, kritisierte Hofmann. Aus kinderchirurgischer Sicht sei
allerdings nur in wenigen Fällen eine primäre operative Behandlung
angezeigt.
Unabhängig vom rein medizinischen Handlungsbedarf seien die Eltern der
betroffenen Kinder in der Sprechstunde häufig stark verunsichert: „Der
Begriff Tumor macht ihnen erst einmal Angst, auch wenn Hämangiome zu den
gutartigen Geschwulsten zählen“, erklärte Hofmann. Seiner Erfahrung nach
sind insbesondere ausgedehnte Blutschwämme im Gesicht für Kinder und ihre
Eltern zudem auch psychisch sehr belastend: „Die Kinder werden oft
ausgegrenzt, während die Mutter sich fragen lassen muss, ob sie ihr Kind
geschlagen hat.“
|