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Zwei aktuelle Studien in renommierten internationalen Journals
diskutieren die Frage des Zugangsweges und der Anästhesie bei der Reparatur
von Leistenhernien.
Laparoskopisch vs. offen: Vergleich mit Langzeitdaten
In einer Kurzzeitstudie [1] hatten Hallen et al. von der chirurgischen
Universitätsklinik im schwedischen Lund bereits 2003 gezeigt, dass die
totale extraperitoneale Hernienreparatur (TEP) kurzfristig zu weniger
Komplikationen als die offene Operation mit Netzplastik führt. Sie
dokumentierten dabei insbesondere weniger postoperative Schmerzen und eine
schnellere Erholung. Nun liegen die Ergebnisse der siebenjährigen
Beobachtungsphase der gleichen Studienteilnehmer vor [2].
Demzufolge treten chronische Hodenschmerzen in der TEP-Gruppe häufiger auf
als in der Kontrollgruppe, die offen operiert wurde (14% vs. 1%). Vier
Patienten in der TEP-Gruppe, jedoch keiner in der Kontrollgruppe mussten
wegen Komplikationen wie Dünndarmverschluss, Umbilikalhernie oder Neuralgien
reoperiert werden. Sensibilitätsstörungen in der Leistengegend trat in der
Kontrollgruppe häufiger auf. Die Rate der Hernienrezidive war mit fünf
Prozent in beiden Gruppen ähnlich.
Die Autoren schließen aus ihren Langzeitergebnissen, dass sich sowohl mit
der laparoskopischen TEP als auch mit der offenen Netzplastik insgesamt gute
Resultate mit niedrigen Leistenhernien-Rezidivraten erzielen lassen.
Quelle: 1. Surgery 2003;
133 (5): 464-72, 2. Surgery 2008; 143 (3): 313-7
Lokalanästhesie Methode der Wahl bei Lichtenstein-OP?
Die offene Operation der Leistenhernie kann unter Allgemeinanästhesie,
spinaler oder epiduraler Regionalanästhesie sowie unter Lokalanästhesie
durchgeführt werden. Vor diesem Hintergrund vergleicht eine aktuelle Studie
[3] von van Reen et al. von der chirurgischen Universitätsklinik in
Rotterdam, Niederlande, die Spinalanästhesie mit lokaler
Infiltrationsanästhesie bei 100 Patienten, die sich einer offenen Operation
nach Liechtenstein unterzogen hatten.
Die Autoren stellten fest, dass die postoperativen Schmerzen in beiden
Gruppen ähnlich waren.
Allerdings mussten die Patienten, die unter Spinalanästhesie operiert worden
waren, häufiger wieder ins Krankenhaus aufgenommen werden als die Patienten
der Lokalanästhesie-Gruppe. Grund für die Wiederaufnahme von Patienten aus
der Spinalanästhesie-Gruppe war in den meisten Fällen ein Harnverhalt.
Darüber hinaus verzeichneten die Autoren zwischen den beiden Gruppen keine
signifikanten Unterschiede. Sie folgerten daher, dass die Lokalanästhesie
bei der primären routinemäßigen Leistenhernie-Operation die Methode der Wahl
sein sollte.
Quelle: 3. Ann Surg 2008;
247 (3): 428–33
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Kommentar
von Dr. Michael Schweins, niedergelassener Chirurg und Leiter des
Hernienzentrums Köln
Beide Studien ergänzen bestehende und bekannte Informationen.
Die Publikation von Hallen ist insofern interessant, als dass sie die
Langzeitergebnisse einer bereits veröffentlichten Studie zum Vergleich der
laparoskopischen Hernienreparatur (TEP-Methode) mit der offenen Netzplastik
präsentiert. Zu dem Fazit der Autoren muss man allerdings anfügen, dass eine
Rezidivrate von fünf Prozent kein gutes, sondern nur ein akzeptables
Ergebnis ist. Darüber hinaus spielt auch der chronische Leistenschmerz nach
einem Beobachtungszeitraum von sieben Jahren praktisch keine Rolle mehr.
Über eine wesentlich wichtigere Information gehen die Autoren in ihrer
Schlussfolgerung sogar gänzlich hinweg: nämlich, dass in der TEP-Gruppe vier
Patienten (immerhin 5 Prozent des Gruppenkollektivs) wegen relevanter
Komplikationen reoperiert werden mussten. Demgegenüber war in der
Kontrollgruppe keine Reoperation erforderlich.
Zur Studie von van Reen sei angemerkt, dass leider der Patientenkomfort
nicht mit überprüft wurde. Außerdem wurde die für alle Beteiligten
vielleicht angenehmste Form - nämlich die Larynxmaskennarkose - nicht in die
Studie mit einbezogen. Im Bereich der ambulanten Chirurgie wird wegen der
bekannten Probleme des Harnverhaltes schon seit Längerem empfohlen, keine
Spinalanästhesien durchzuführen.
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