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Fußchirurgische Eingriffe sind seit langem eine Domäne der ambulanten
Chirurgie. In Folge der von den Kostenträgern erzwungenen Verlagerung
zahlreicher anspruchsvoller rekonstruktiver Fußeingriffe aus dem stationären
in den ambulanten Sektor eröffnen sich für ambulante Operateure neue und
interessante Tätigkeitsfelder. Innovative und minimal invasive
Operationstechniken und neue Implantate ermöglichen ein ambulantes Vorgehen
und gewährleisten reproduzierbare Ergebnisse.
V-förmige Osteotomien bei moderatem Hallux valgus
Im Bereich der ambulanten Chirurgie dominieren die distalen V-förmigen
Osteotomien am ersten Mittelfußknochen nach Austin. Diese haben sicherlich
in der Therapie des moderaten Hallux valgus mit Intermetatasalwinkeln von
bis zu zwölf Grad eine gute Indikation. Bei großen Intermetatarsalwinkeln
von mehr als zwölf Grad und fortgeschrittenen Hallux-valgus-Deformitäten
stoßen diese Verfahren allerdings rasch an ihre Grenzen. Als ambulant und
minimal invasiv realisierbare Eingriffe bieten sich proximale
Umstellungsosteotomien am ersten Mittelfußknochen an. Diese können als
aufklappende („Open Wedge“), zuklappende („Closed Wedge“) oder bikorticale
(„Crescentic“)- beziehungsweise Verschiebe-Osteotomien [17] vorgenommen
werden.
Winkelstabile Platten erlauben frühe Mobilisation
Nahezu alle Hersteller orthopädischer Implantate bieten für diese Indikation
nunmehr winkelstabile Plattensysteme an. Der Vorteil dieser winkelstabilen
Implantate liegt in der relativ hohen Primärstabilität, welche eine
frühfunktionelle Behandlung mit Mobilisation des Patienten in einem
„Post-Operationsschuh“ mit steifer Sohle und Teilbelastung oder gar
Vollbelastung nach wenigen Tagen ermöglicht [18].
In der Hand des Autors hat sich die proximale „Open Wedge“- Osteotomie in
der Modifikation nach Burgard bewährt [4]. Insbesondere bei kurzem ersten
Strahl ist eine diskrete Verlängerung des Großzehenstrahls sinnvoll.
Eigenspongiosa verhindert eine mögliche Pseudarthrose
Neben der Reposition des ersten Mittelfußknochens und dem Schluss des
Intermetatarsalwinkels ist hierbei auch eine Plantarisierung des ersten
Zehenstrahles zwanglos möglich. Die Kombination mit einer autologen
Spongiosaplastik verkürzt die Konsolidierungszeit der Osteotomie und
verhindert eine mögliche Pseudarthrose zuverlässig. Die Entnahme der
Eigenspongiosa aus dem Tibiakopf oder dem Fersenbein ist mit Hilfe einer
Hohlfräse minimal invasiv möglich und verlängert die Operationszeit
lediglich um etwa fünf Minuten. Bei einer Restfehlstellung der Großzehe in
Valgus ist eine zusätzliche zuklappende Osteotomie am Großzehengrundlied
nach Akin wertvoll. Eine Alternative zur „Open-Wedge“-Osteotomie bietet die
Ludloff-Osteotomie als Schräg-osteotomie des ersten Metatarsale [16, 18].
Auch für diese Osteotomie steht eine winkelstabile Platte zur Verfügung,
welche die Nachteile der alleinigen Schraubenfixation vermeidet [8].
Langwierige Nachbehandlung nach Lapidusarthrodese
Die Lapidusarthrodese ist eine weithin akzeptierte Technik zur Korrektur
ausgeprägter Fehlstellungen des ersten Fußstrahles, insbesondere bei
Instabilität und bei Metatarsus primus elevatus [11]. Problematisch
erschienen bisher die relativ aufwändige Operations- und Fixationstechnik
der Fusion des ersten Tarsometatarsalgelenkes sowie die langwierige
Nachbehandlungsphase unter mehrwöchiger Entlastung des operierten Fußes.
Eine von Paul Simons entwickelte winkelstabile Spezialplatte zur plantaren
Fixation der Lapidusarthrodese ermöglicht eine einfachere Operationstechnik
und erlaubt die postoperative Nachbehandlung mit einer schmerzadaptierten
Vollbelastung im Verbandschuh [10].
Auf ausgedehnte Knochenresektion verzichten
Die kürzere Operationszeit und die einfachere Nachbehandlung machen die
Lapidusarthrodese zu einem optional ambulanten Eingriff mit interessantem
wirtschaftlichem Potenzial. Aus der Sicht des Autors erscheint es wichtig,
bei der Vorbereitung der Gelenkflächen zur Arthrodese auf eine ausgedehnte
Knochenresektion unbedingt zu verzichten, um einen Längenverlust des ersten
Metatarsale zu vermeiden [12]. Daneben ist eine ausreichende Plantarisierung
des ersten Mittelfußknochens essenziell, um bestehende
Überlastungsmetatarsalgien des zweiten und dritten Mittelfußknochens
behandeln und postoperativ neu auftretende Transfermetatarsalgien vermeiden
zu können.
Frustrane konservative Therapie bei Mittelfußfraktur
Eine häufige Verletzung in der unfallchirurgischen Praxis ist die
metaphysäre Basisfraktur des fünften Mittelfußknochens („Jones fracture“)
[20]. Obwohl die schlechte Heilungstendenz dieser Brüche mit
Pseudarthroseraten über 40 Prozent seit langem bekannt ist [9], werden
häufig frustrane konservative Therapieversuche unternommen. Gelegentlich
kommen auch Patienten mit Stressfrakturen am metaphysär-diaphysären Übergang
ohne adäquates Trauma in die Behandlung. In diesen Fällen ist die Abgrenzung
zu „angefrischten“ Pseudarthrosen schwierig.
Perkutane Verschraubung unter Röntgenkontrolle
Der indizierte ambulante fußchirurgische Eingriff ist die perkutane
Verschraubung mit einer kanülierten Spongiosaschraube von 4,5 Millimetern
Durchmesser [13]. Die Schraubenlänge liegt in der Regel zwischen 40 und 55
Millimeter. Ein Röntgenbildverstärker ist erforderlich. Bei einem größeren
Knochendurchmesser sollte man auf Schrauben mit 5,5 oder 6,5 Millimeter
Durchmesser zurückgreifen können. Der Eintrittspunkt des Zieldrahtes (und
der Schraube) muss „hoch und innen“ liegen, das heißt zwei Zentimeter
proximal der Basis des fünften Mittelfußknochens in Höhe des Cuboids. Das
proximale Ende des Zieldrahtes liegt der Fersenhaut unmittelbar an. Die
Industrie bietet komplette Schraubensets für diese Frakturversorgung an
[21], welche aber wohl nur in größeren sportmedizinisch orientierten
Einrichtungen mit einer Vielzahl derartiger Frakturen sinnvoll zu nutzen
sind.
Breites Spektrum von Verletzungen der Achillessehne
Achillessehnenprobleme sind ein allgegenwärtiges Thema in der
Fußsprechstunde. Das Spektrum reicht von der akuten Ruptur über die
überlastungsbedingten Tendinosen der Sportler bis hin zu chronische
Ulzerationen infolge unbehandelter Ansatzverkalkungen. Der aktuellen
Leitlinie der American Academy of Orthopaedic Surgeons [1] folgend, sollten
akute Rupturen bei Sportlern und Patienten mit hohem Aktivitätsniveau eher
operativ versorgt werden. Die Naht der gerissenen Achillessehne ist ein für
die ambulante Chirurgie optimal geeigneter Eingriff und kann in
Allgemeinnarkose oder in Regionalanästhesie mit einem distalen
Ischiadicus-Block vorgenommen werden. Eine Bauchlagerung erleichtert dem
Operateur den Eingriff, ist jedoch nicht unbedingt Voraussetzung, da auch
ein medialer Zugang zur Achillessehne bei Lagerung des Beines mit maximal
außenrotiertem Hüftgelenk möglich ist [15]. Die Naht selbst kann je nach
persönlicher Präferenz perkutan, halboffen („limited open“) oder
offen-chirurgisch vorgenommen werden.
Inzision und Rahmennaht der Sehne nach Krakow
Der Autor bevorzugt eine halboffene Technik mit Darstellung der Rupturstelle
– eine präoperative Sonographie ist hierbei hilfreich – über eine 30
Millimeter lange Inzision und Rahmennaht der Sehne mit einer perkutanen
Krakow-Naht. Die Technik ist in dem sehr empfehlenswerten Buch von Thermann
„Neue Techniken in der Fußchirurgie“ [16] illustrativ beschrieben. In der
postoperativen Nachbehandlung sollte frühzeitig - innerhalb der ersten zwei
Wochen - mit der Belastung der Extremität unter dem Schutz einer Orthese
(zum Beispiel Vacuped Achill der Firma Oped GmbH,Valley) begonnen werden.
Auf diese Weise gelingt es, operierte Patienten in einem Zeitraum von drei
bis sechs Monaten wieder an das präoperative sportliche Aktivitätsniveau
heranzuführen [1].
Frühzeitige Operation bei ansatzferner Tendinitis
Die ansatzferne Tendinitis der Achillessehne wird in der Regel durch
Überlastung (beispielsweise beim Läufer), durch repetitive Mikrotraumata und
gelegentlich auch durch schlecht passendes Schuhwerk verursacht. Bei
Versagen der konservativen Therapie mit Modifikation der Aktivitäten,
Antiphlogistika, Ultraschall und Physiotherapie empfiehlt sich ein
frühzeitiges operatives Vorgehen [2]. Neben dem klassischen offenen
Debridement mit Tenosynovektomie, Entfernung von Kalkherden und
degenerativem Gewebe mit oder ohne Tubularisation der Sehne bieten sich
minimal invasive Eingriffe an: Die perkutane Längsinzision des geschwollenen
und schmerzhaften Sehnenabschnittes soll bei Sportlern bis 97 Prozent gute
Ergebnisse zeigen [7].
Stripping der Achillessehne kann Verwachsungen lösen
Die Arbeitsgruppe von Maffulli in Stoke-on-Trent publizierte daneben das
Verfahren des „Strippings“ der Achillessehne: Über Stichinzisionen werden
mit Hilfe eines geflochtenen chirurgischen Fadens der Stärke 1 (zum Beispiel
Ethibond®, Firma Ethicon) die Verwachsungen an der Vorderseite der
Achillessehne zum Kager Dreieck gelöst. Die Wirkung dürfte auf einer
Denervation in Verbindung mit einer Dissektion der Neovaskularisation des
Entzündungsgewebes beruhen [6]. Kontrollierte klinische Studien zu diesem
interessanten Verfahren fehlen allerdings noch.
Minimal invasive Verfahren für Insertionstendopathien
Bei den Insertionstendopathien der Achillessehne, welche meist mit einer
Haglund-Pseudoexostose kombiniert sind, stehen ebenfalls minimal invasive
Verfahren zur Verfügung. Der arthroskopisch tätige Chirurg wird weniger
ausgeprägte Exostosen endokopisch mit dem Instrumentarium der
Schulterchirurgie abgetragen können. Die Knochenresektion gelingt mit
Kugelfräse und Acromionizer, gegebenenfalls können perkutan schmale
Osteotome verwendet werden. Auch die Resektion der Bursa subachillea ist
endoskopisch mit dem Shaver relativ mühelos möglich [3].
Verfahren bei moderaten und bei ausgeprägten Befunden
Alternativ können weniger ausgeprägte Befunde über einen minimierten
lateralen paraachillären oder transversalen Zugang angegangen werden [5].
Für ausgeprägte Befunde mit großen Verkalkungen des Sehnenansatzes empfiehlt
sich ein offen-chirurgisches Vorgehen in Bauchlage mit paragraphenförmigem
Zugang über dem Apex der Deformität.
Debridement, Resektion, Refixation und Protektion
Die Operation besteht aus folgenden Schritten: Ablösung und Debridement der
Achillessehne, Resektion der sklerosierten Pseudoexostose und allfälliger
kleinerer seitlicher Verkalkungen sowie Refixation der Achillessehne mit
zwei oder drei kräftigen Fadenankern (zum Beispiel Statak® 3,5 mm, Firma
Zimmer Inc.). Eine postoperative Protektion für minimal sechs Wochen mit
Gips oder Orthese ist notwendig, es kommt dann zuverlässig zur Abheilung
[14]. Alle vorgenannten Eingriffe sind ambulant durchführbar und sollten
eher großzügig indiziert werden, um den Patienten einen langen Leidensweg
mit nicht evidenzbasierten, kostspieligen oder gar schädlichen
Therapienversuchen wie intratendinöse Kortikosteroidapplikationen,
Stoßwellenbehandlungen oder Röntgenbestrahlungen zu ersparen.
Literaturverzeichnis
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Arthroskopie 21 (2008): 196-201.
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(2007) http://www.wmt.com/Downloads/Techniques/SO277-807_DarcoMFS%20BowPlate%20ST.pdf
5. Lohrer H: Bursitis subachillea und Haglund Pseudoexostose. In Wirth, CJ
(Hg) Orthopädie und Orthopädische Chirurgie - Fuß. Thieme Verlag Stuttgart
503-505 (2002)
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7. Maffulli N, Longo UG, Oliva F, Ronga M, Denaro V. Minimally invasive
surgery of the achilles tendon. Orthop Clin North Am. 2009 Oct;40(4):491-8,
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9. Mologne,TS, Lundeen JM, Clapper MF, O`Brien TJ: Early Screw Fixation
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10. Nass K, Simons P, Wenisch A: Die Lapidusarthrodese - Fixation mit
plantarer Platte und primäre Vollbelastung. FussSprungg 7(2009) 173-177.
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20. Wheeless CR III (ed): Wheeless‘ Textbook of Orthopaedics Jones Fracture.
http://www.wheelessonline.com/ortho/jones_fracture
21. Wright Medical Technology, Inc.: CHARLOTTE CAROLINA™ Jones Fracture
System (2007) http://www.wmt.com/Downloads/Techniques/SO065-206%20R1.07_Charlotte%20Carolina%20Jones%20ST--LR(1).pdf
Autor: Dr. Michael Scherer,
niedergelassener Chirurg, Sulzbach-Rosenberg
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