Kreuzbandplastik: VKB-Plastik auch jenseits der 40?



Kurzbericht vom Deutschen Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie (DKOU) 2009.

Lange Zeit galt das Alter von 40 Jahren als Obergrenze für den vorderen Kreuzbandersatz. Mit einer Zunahme der sportlichen Freizeitaktivitäten und dem hohen Anspruch weit über dieses Alter hinaus ändere sich neben der Erwartungshaltung des Patienten auch das Zeitfenster für die Indikationsstellung zum Ersatz, wie Dr. Pierre Hepp vom Universitätsklinikum Leipzig beim DKOU berichtete. „Gibt es eine tatsächliche Altergrenze? Gibt es alterspezifische Empfehlungen bezüglich Transplantatwahl, Verankerung und Nachbehandlung?“, fragte Hepp. Fast übereinstimmend fänden sich in der Literatur keine alterspezifischen Unterschiede im funktionellen Outcome nach VKB-Ersatz beim älteren Patienten.

Hepp berichtete über eine eigene Studie erfolgte an 42 Patienten über dem 40. Lebensjahr, die sich einer Rekonstruktion des vorderen Kreuzbandes unterzogen hatten. „Die Nachuntersuchung umfasste neben einer klinischen und radiologischen Untersuchung die Auswertungen des Tegner-Aktivitäts-Score, des IKDC-Score sowie des Lysholm- und Overall Knee Score“, erläuterte Hepp. Bei 80 Prozent der Patienten habe sich im IKDC-Score ein normaler oder nahezu normaler Kniebefund gezeigt. „Alle Patienten berichteten über eine subjektive Zunahme der Stabilität im Vergleich zum Zeitpunkt vor der Operation. Der überwiegende Anteil der Patienten geht seinen ursprünglichen Freizeitsportaktivitäten wieder nach“, sagte der Unfallchirurg weiter.

Sein Fazit: „Der VKB-Ersatz ist beim Patienten über dem 40. Lebensjahr mit einer symptomatischen Kniegelenksinstabilität gerechtfertigt. Die Ergebnisse sind überwiegend sehr gut und gut. Es gibt keine dogmatische Altersgrenze.“ Die Rolle der Begleitverletzungen, das noch zu tolerierende Ausmaß der Knorpelschädigung und die für eine sichere Verankerung erforderliche Knochenqualität sei allerdings noch nicht abschließend geklärt.

Referent: Dr. Pierre Hepp, Universitätsklinikum Leipzig, Klinik für Unfall- und Wiederherstellungschirurgie

 
 
 
Quelle: Chirurgen Magazin 42 (Ausgabe 6.2009, Dezember 2009 bis Januar 2010)
 

Do. 17.12.2009