Patellafraktur: Gute Langzeitergebnisse bei 80 Prozent der Fälle?


Kurzbericht vom Deutschen Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie (DKOU) 2009.

Etwa 3,5 Prozent aller Frakturen betreffen die Patella, wie Privatdozent Dr. Karl-Heinz Frosch vom Universitätsklinikum Göttingen beim DKOU berichtete. Differenzialdiagnostisch müssten die Patella bipartita, osteochondrale Verletzungen, Patellaluxation, die Quadrizeps- und Patellasehnenverletzung sowie Kniebinnenläsionen abgegrenzt werden. Als Standarddiagnostik bezeichnete Frosch die Röntgenaufnahme des Kniegelenks in mindestens zwei Ebenen, „Sonographie, CT und MRT hingegen bleiben speziellen Fragestellungen vorbehalten.“ Die Einteilung der Frakturen erfolge nach Speck und Regazzoni, wobei Längs- (Typ A), Quer- (Typ B) und Mehrfragmentfrakturen (Typ C) unterschieden würden.

„Nicht dislozierte Frakturen können konservativ behandelt werden. Dislozierte Frakturen wiederum werden in der Regel operativ versorgt“, erklärte Frosch. Der Standardzugang erfolge über den ventralen Längsschnitt, alternativ könne parapatellar medial oder lateral ein Längs- oder ein Querschnitt über der Patella geführt werden. Dislozierte Längsfrakturen könnten perkutan mittels Zugschrauben fixiert werden. Frosch erläuterte: „Für die einfache Querfraktur ist nach wie vor die osteOsynthese mit Zuggurtung Therapie der Wahl.“ Alternativ könnten auch kannüllierte Schrauben verwendet werden, durch die eine Drahtcerclage geführt wird. Auch perkutane Techniken ließen sich erfolgreich einsetzen. Bei Mehrfragmentfrakturen seien in der Regel Materialkombinationen angezeigt.

Frosch mahnte seine Kollegen, auf die Blutversorgung der Patella zu achten: „Um die Patella findet sich ein dichtes Netz aus arteriellen Gefäßen, der kraniale Patellapol wird hauptsächlich über intraossäre Gefäße von kaudal versorgt.“ Nekrosen des kranialen Patellapols werden Frosch zufolge deshalb in bis zu zehn Prozent der Fälle beschrieben. „Bei der operativen Versorgung sollten deshalb die Weichteile schonend behandelt und die Fragmente möglichst wenig devastiert werden“, empfahl der Orthopäde. Bei nicht rekonstruierbaren Frakturen sei als Ultima Ratio die Patellektomie indiziert, die jedoch nur bei etwa 50 Prozent der Fälle gute klinische Ergebnisse zeige. „Insgesamt können nach operativer Versorgung von Patellafrakturen aber mehr als 80 Prozent gute Langzeitergebnisse erzielt werden“, sagte Frosch.

Referent: Privatdozent Dr. Karl-Heinz Frosch, Universitätsklinikum Göttingen, Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie

 
 
 
Quelle: Chirurgen Magazin 42 (Ausgabe 6.2009, Dezember 2009 bis Januar 2010)
 

Do. 17.12.2009