Proktologie: Stadienadaptierte Therapie des Hämorrhoidalleidens


Die Therapie des Hämorrhoidalleidens orientiert sich an der Größe des Hämorrhoidalplexus. Eine Basistherapie einschließlich Ernährungsumstellung ist bei allen vier Stadien unverzichtbar. Komplikations- und schmerzarme Eingriffe wie segmentäre Hämorrhoidektomien lassen sich gut ambulant durchführen.

Ziel der Therapie ist die möglichst dauerhafte Beseitigung der Beschwerden und der Symptome durch eine stadiengerechte Reduktion des vergrößerten Hämorrhoidalplexus auf eine möglichst physiologische Größe.
Eine Basistherapie mit ballaststoffreicher Ernährung und ausreichender Flüssigkeitszufuhr zur Erzielung einer geformten Stuhlgangssäule ist in allen vier Stadien anzuraten. Lange ¬Toilettensitzungen und Pressen bei der Defäkation sind zu vermeiden. Begleitend zur Basistherapie kann eine symptomatische Therapie mit Salben oder adstringierenden Sitzbädern erfolgen. Diese wirkt allerdings nur kurzfristig, da es sich nicht um eine kausale Therapie handelt. Sie hat auch keinen hohen Evidenzgrad. Auf übertriebene Analhygiene mit Seifen oder Duschgel ist aufgrund der häufig allergisierenden Wirkung zu verzichten. In allen Behandlungsstadien ist das Ziel, den vergrößerten Hämorrhoidalplexus auf eine physiologische Größe zu reduzieren und damit Beschwerdefreiheit zu erreichen. Behandelt wird nur das Hämorrhoidalleiden (vergrößerte Hämorrhoiden, die Beschwerden bereiten) und nicht die vergrößerten Hämorrhoiden.

Sklerosierungsbehandlung bei Hämorrhoiden Grad 1
Hämorrhoiden ersten Grades sind die Indikation zur Sklerosierung. Diese kann entweder nach Blond oder Blanchard beziehungsweise Bensaude vorgenommen werden. Bei der Methode nach Blond wird die Substanz (zum Beispiel Äthoxysklerol) tropfenweise zirkulär oberhalb der Linea dentata submukös in das Hämorrhoidalgewebe injiziert.
Die Injektion erfolgt im Abstand von acht bis 14 Tagen zwei- bis dreimal. Bei den alternativen Verfahren nach Blanchanrd beziehungsweise Bensaude werden dreimal 2 ml Phenol-Mandelöllösung- oder Erdnussöllösung (5-prozentig) in den Bereich der zuführenden Hämorrhoidalarterien bei drei, sieben und elf Uhr in Steinschnittlage appliziert. Auch hier erfolgt die Behandlung in der Regel zwei- bis dreimal in ein- bis zweiwöchigen Abstand.
Komplikationen wie Blutungen oder ein unangenehmes Druckgefühl treten selten auf. Zu achten ist auf urogenitale Komplikationen wie Prostatitis, Hämaturie und Hämatospermie. Septische Komplikationen mit Todesfolge sind in Einzelfällen beschrieben. Die Rezidivrate liegt nach drei Jahren bei 70 Prozent.

Infrarotkoagulation hat sich nicht durchgesetzt
Alternativ zur Sklerosierungsbehandlung kann bei erstgradig vergrößertem Hämorrhoidalplexus eine Infrarotkoagulation durchgeführt werden. Die Infrarotstrahlen führen zu einer oberflächlichen Nekrose des Hämorrhoidalgewebes. Dabei ist streng darauf zu achten, dass die Koagulationspunkte oberhalb der Linea dentata liegen, damit die Behandlung schmerzfrei ist. Komplikationen in Form von Blutungen in den ersten Tagen sind selten. Aufgrund der einfachen Durchführbarkeit der Sklerosierungsbehandlung und der Gummiligatur sowie der Anschaffungskosten eines Infrarotkoagulators hat sich diese Methode nicht durchgesetzt.

Gummiligatur erste Wahl bei Hämorrhoiden Grad 2
Die Gummiligatur nach Barron gilt als Therapie erster Wahl zur Behandlung eines zweitgradig vergrößerten Hämorrhoidalplexus. Bei segmentären, prolabierenden Hämorrhoiden dritten Grades ist die Gummiligatur eine Alternative zu operativen Verfahren. Über ein nach vorn offenes Proktoskop wird eine Gummiligatur an die Basis des vergrößerten Hämorrhoidalknoten gesetzt. Dies führt zu einer Nekrose und zum Abfallen des abgebundenen Gewebes. Hierbei muss der Behandler auf eine richtige Platzierung des Gummiringes oberhalb der Linea dentata achten: Ein falsch applizierter Knoten im Bereich des hoch sensiblen Anoderms kann zu starken Schmerzen führen, die über mehrere Tage anhalten können. In der Regel wird eine Gummiligatur pro Sitzung durchgeführt. Werden mehrere Ligaturen gleichzeitig gesetzt, steigt die Komplikationsrate deutlich. In Abhängigkeit der Beschwerden werden zirka vier bis sechs Behandlungen im Abstand von drei bis vier Wochen durchgeführt.
Typische Komplikationen sind Schmerzen, Druckgefühl und verstärkter Stuhldrang. Hier hat sich die Gabe eines oralen Antiphlogistikums (zum Beispiel Ibuprofen 400 mg) nach dem Setzen der Ligatur bewährt. Seltener treten ein Harnverhalt, Perianalthrombosen oder entzündliche Komplikationen auf. Behandlungsbedürftige Nachblutungen aus dem Ulkusgrund des abgefallenen Hämorrhoidalgewebes treten in ein bis zwei Prozent der Fälle auf. Diese sind in der Regel ambulant gut behandelbar. Über das Proktoskop gelingt es fast immer, die Blutung mit bipolarem Strom zu koagulieren. Nur in seltenen Fällen ist eine Umstechung durch das Proktoskop nötig. Die sorgfältige Aufklärung der Patienten über mögliche Komplikationen ist dringend erforderlich. Ebenfalls sollte der Patient vor der ersten Gummiligaturbehandlung schriftlich in die Behandlung einwilligen.

Hämorrhoidalarterienligatur (HAL) mit Dopplersonde
Die Indikation zur HAL besteht in Hämorrhoiden zweiten bis dritten Grades. Die Hämorrhoidalarterien werden mit Hilfe an einer an einem Spezialproktoskop integrierten Dopplersonde aufgesucht und über ein kleines Fenster, zirka vier Zentimeter oberhalb der Linea dentata, umstochen. Der Eingriff ist ohne Anästhesie ambulant durchführbar. Bei jungen Männern (mit Analsphinkterhypertonie) empfiehlt sich eine Sedanalgesie. Ernsthafte Komplikationen wie Blutungen, Schmerzen oder submuköse Hämatome treten selten auf. Die anfänglichen Erfolgsraten liegen zwischen 90 und 96 Prozent, im eigenen Krankengut bei 80 Prozent. Langzeitergebnisse stehen noch aus. Im eigenen Patientengut gaben nur noch 61 Prozent der Patienten nach vierzehn Monaten eine Besserung der Beschwerden an.

Operative Therapie bei Hämorrhoiden Grad 3
Hämorrhoiden dritten Grades sind die Domäne der operativen Versorgung. Bei einzelnen prolabierenden Hämorrhoidalknoten besteht auch die Möglichkeit einer Gummiligaturbehandlung. Ziel ist auch hier die Reduzierung des vergrößerten Hämorrhoidalgewebes auf eine physiologische Größe und damit Beseitigung der Beschwerden. Bei Vorliegen eines Prolapses erfolgt die Reposition und Fixation des vorgefallenen Anoderms in den analen Kanal. Wir unterscheiden die resezierenden und plastischen Verfahren. Mögliche Operationsmethoden sind:
• offene Hämorrhoidektomie nach Milligan-Morgan,
• geschlossene Hämorrhoidektomie nach Ferguson,
• subanodermale Hämorrhoidektomie nach Parks,
• plastische Rekonstruktion des analen Kanals nach Fansler-Arnold und
• Hämorrhoidopexie nach Longo (supraanodermale Mukosektomie) mit dem Stapler.

Resezierende Verfahren bei äußerlichen Veränderungen
Insbesondere bei Hämorrhoiden Grad 2 mit äußerlichen Veränderungen (Marisken, Fibromen, Analfissuren mit Vorpostenfalte) sowie Hämorrhoiden dritten Grades können die resezierenden Verfahren gut eingesetzt werden.
Bei der segmentären Hämorrhoidektomie (Milligan-Morgan, Ferguson) werden die vergrößerten Hämorrhoidalknoten reseziert. Es müssen ausreichend Anodermbrücken (mindestens 5 – 10 mm) verbleiben, um Stenosen zu vermeiden. Empfehlenswert ist die Resektion von maximal drei bis vier Hämorrhoidalknoten.
Während bei der Operation nach Milligan-Morgan die Wunde einer offenen Wundbehandlung zugeführt wird, wird bei der Technik nach Ferguson die Operationswunde durch eine Naht verschlossen. Typische Komplikationen (Inzidenz unter zehn Prozent) sind Nachblutungen sowie ein postoperativer Harnverhalt. Die Rezidivraten liegen zwischen drei und 25 Prozent.

Plastische Verfahren sind komplex und anspruchsvoll
Bei den plastische-rekonstruktiven Verfahren (Fansler-Arnold, Parks) wird das prolabierende Anoderm im analen Kanal refixiert und der vergrößerte Hämorrhoidalplexus stadiengerecht reduziert. Die Verfahren eignen sich besonders bei fixiertem, nicht reponiblem Analprolaps (Hämorrhoiden Grad 4). Aufgrund der technisch anspruchsvollen Operation und der langen OP-Dauer von bis zu 90 Minuten werden sie aber selten angewandt.
Bei der Operation nach Fansler-Arnold wird das prolabierende Anoderm zusammen mit dem vergrößerten Hämorrhoidalgewebe U-förmig aus dem analen Kanal herauspräpariert. Das Hämorrhoidalgewebe wird auf eine physiologische Größe reduziert. Abschließend wird das vom Hämorrhoidalgewebe befreite Anoderm („Läppchen“) wie eine Verschiebelappenplastik mit der Mukosa im analen Kanal auf der Höhe der Linea dentata refixiert.
In Abhängigkeit des Befundes werden zwei bis drei Läppchenplastiken pro Sitzung durchgeführt. Aufgrund der Komplexität des Eingriffes ist die postoperative Komplikationsrate deutlich höher als bei den segmentären Hämorrhoidektomien. Insbesondere schwerwiegende Komplikationen wie Anodermnekrosen mit konsekutiver Analstenose müssen vermieden werden.

Klammernaht-Hämorrhoid-opexie schont das Anoderm
Seit 1998 wird in Deutschland nach der von Longo inaugurierten Methode das prolabierende Hämorrhoidalgewebe reponiert und das proximal davon liegende Mukosagewebe zirkulär reseziert. Ein Arbeitsgang bringt so das Anoderm in seine physiologische Lage. Der Vorteil dieser Methode liegt in der Unversehrtheit des Anoderms, wird allerdings aufgehoben, wenn Marisken oder Fibrome zusätzlich reseziert werden und offene Wunden im Anodermbereich entstehen. Ideale Indikation zur Hämorrhoidopexie ist der drittgradig vergrößerte, gut reponible Hämorrhoidalplexus. Bei fixiertem Prolaps kommt es postoperativ zu schlechteren Ergebnissen. Bei korrekter Operationsindikation und -technik sind die Ergebnisse gleich gut wie bei den herkömmlichen Verfahren. Operationsdauer, Rekonvaleszenzzeit und postoperative Schmerzen sind jedoch signifikant geringer. Die Komplikationsraten unterscheiden sich nicht. Für die Hämorrhoidopexie nach Longo werden Komplikationsraten zwischen fünf und zehn Prozent berichtet. An erster Stelle sind Blutungen aus der Anastomose sowie ein postoperativer Harnverhalt zu erwähnen. Seltene Komplikationen sind Stenosen, Abszesse, Thrombosen. Lebensbedrohliche Komplikationen sind extrem selten und in der Regel der mangelnden Technik des Operateurs anzulasten. In unserem Krankengut kommt es in zirka 20 Prozent aller Fälle in den ersten Wochen zu einem imperativen Stuhldrang, häufig verbunden mit einer Dranginkontinenz. Selten treten anhaltende Schmerzen auf. Studien zu Langzeitergebnissen berichten über null und drei Prozent Rezidivquote.

Der thrombosierte Hämorrhoidalprolaps
Im Falle eines zirkulären, thrombosierten Hämorrhoidal- beziehungsweise Analprolapses haben wir bis vor zwei Jahren eine plastische Rekonstruktion des analen Kanals durchgeführt. Inzwischen haben wir gute Erfahrungen mit der konservativen Therapie (orale Gabe eines Antiphlogistikums, lokal applizierte kortison- und lokalanästhetikahaltige Salbe und intermittierende Eisauflage) gemacht und unser Therapieregime mit sehr guten Ergebnissen umgestellt. Bereits nach drei Tagen war in der Regel der thrombosierte Prolaps so weit abgeschwollen, dass die Patienten weitestgehend beschwerdefrei waren. Nach 14 Tagen konnte man in der Regel entscheiden, welche weitere Therapie nötig ist. Bei einigen Patienten war eine Gummiligaturbehandlung ausreichend. Die meisten konnten einer Hämorrhoidopexie zugeführt werden. Nur in seltenen Fällen musste ein plastisch-rekonstruktives Verfahren angewandt werden.

Fazit: Basistherapie und stadiengerechte Behandlung
Die stadiengerechte Therapie des Hämorrhoidalleidens orientiert sich an der Größe des Hämorrhoidalplexus. Eine Basistherapie mit ballaststoffhaltiger Ernährung und ausreichender Flüssigkeitszufuhr wird in allen vier Stadien durchgeführt. Sollte die Basistherapie bei Hämorrhoiden Grad 1 nicht helfen, erfolgt zusätzlich eine Sklerosierung oder Infrarotkoagulation. Therapie der Wahl bei Hämorrhoiden Grad 2 ist die Gummiligatur. Bei Hämorrhoiden Grad 2 mit Marisken und Hämorrhoiden Grad 3 ist eine Operation angezeigt. An erster Stelle steht hier die Klammernaht-Hämorrhoidopexie. Bei einzelnen prolabierenden Knoten bevorzugen wir die segmentären Hämorrhoidektomien (Milligan-Morgan, Ferguson). Bei fixiertem Analprolaps wenden wir plastisch-rekonstruktive Verfahren (Fansler-Arnold, Parks) an. Die operativen Verfahren sind mit größeren Schmerzen und Komplikationen verbunden und sollten stationär durchgeführt werden. Segmentäre Hämorrhoidektomien hingegen können gut ambulant erbracht werden.

Autor: Dr. Hans-Günter Peleikis, Kiel

 
Quelle: Chirurgen Magazin 36, 6. Jahrgang, Heft 6.08 (Dezember 2008/Januar 2009)
 

Di. 30.12.2008