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Vom 19.-20. Juni 2009 fand in Neuss die 7. -Jahrestagung der Deutschen
Herniengesellschaft statt. Mehr als 350 Chirurgen aus Klinik und Praxis
erlebten ein interessantes und inspirierendes wissenschaftliches Programm
mit dem Schwerpunkt „Die infizierte Bauchwand“.
Daneben organisierte der Tagungspräsident Dr. Bernhard Lammers, Leitender
Arzt der Chirurgischen Klinik für Koloproktologie und Hernienchirurgie am
Lukaskrankenhaus Neuss, parallel zur Hauptsitzung erstmalig einen
Postgraduiertenkurs für Chirurginnen und Chirurgen vom ersten bis dritten
Ausbildungsjahr, der regen Zuspruch fand. Dies beweist insbesondere auch
aufgrund der dynamischen Weiterentwicklung der Hernienchirurgie die
-Bedeutung der Aus- und Weiterbildung. Für niedergelassene Chirurgen waren
besonders die Beiträge zu Netzinfektionen und ihrer Vermeidung interessant.
Bereits die ersten Referate von Professor -Christian Peiper vom
Evangelischen Krankenhaus Hamm und Professor Friedrich-Eckart Isemer vom St.
Josefs-Hospital Wiesbaden verdeutlichten das aktuelle Dilemma, das eine
rechtssichere Entscheidungsfindung erschwert.
So gibt es einerseits die Leitlinie der Arbeitsgemeinschaft
Wissenschaftlich-Medizinischer Fachgesellschaf-ten (AWMF), die eine
perioperative Antibiotikaprohylaxe immer dann empfiehlt, wenn das Risiko
einer Infektion zwar gering ist, im Falle ihrer Manifestation aber eine
erhebliche Morbidität oder sogar Letalität droht. Dies betrifft auch
Eingriffe bei immunsupprimierten Patienten, Implantationen von Gefäß- oder
Gelenkimplantaten sowie Osteosynthesematerialien und bei allen anderen
alloplastischen Materialien, darüber hinaus auch Operationen an großen
Gelenken und bei offenen Frakturen. Demgegenüber betonten die Referenten,
dass andererseits es bislang keine wissenschaftliche Evidenz für die
bisherigen Untersuchungen gibt, die den Vorteil der Antibiotikaprophylaxe
herausstellen. Trotz der mangelnden wissenschaftlichen Evidenz könnte jedoch
die angeführte Leitlinie in einzelnen -Fällen bei gutachterlichen
Fragestellungen für den behandelnden Chirurgen zum Problem werden. Dabei
sind multimorbide Patienten mit entsprechenden Nebenerkrankungen und einem
Risikoprofil, das eine stationäre Aufnahme erforderlich macht, sicher auch
aus forensischer Sicht anders zu beurteilen als junge, ambulant operierte
Patienten.
Nabelhernien gehen, wie Professor Tim Tollens vom General Surgery IMELDA
Hospital in Bonheiden (Belgien) in seinem Vortrag berichtete, aufgrund der
hohen Keimbesiedlung mit einem erheblichen Infektionsrisiko einher. Dies ist
auch für den Einsatz von Netzbeschichtungen von großer Bedeutung. Ein
differenziertes und maßgeschneidertes Vorgehen erscheint daher sinnvoll. Für
eine eher großzügige Indikationsstellung für eine solche perioperative
Antibiotikaprophylaxe spricht auch die Tatsache, dass keine wirklichen
Nachteile bekannt sind. Insbesondere löst sie nach Ansicht von Professor
Klaus Pfeffer vom Institut für Medizinische Mikrobiologie an der Universität
Düsseldorf keine Antibiotikaresistenzen aus.
Darüber hinaus fand im Rahmen der Jahrestagung auch eine kritische
Auseinandersetzung mit sogenannten „Pitfalls“ statt. So berichtete
beispielsweise Dr. Frank P. Müller, chirurgischer Chefarzt am Marienhospital
Gelsenkirchen, über mögliche Infektionen mit Meticillin--resistenten
Staphylococcus aureus (MRSA), Dr. Jörg Celesnik vom Knappschaftskrankenhaus
Bottrop und Professor Michael Schäffer vom Marienhospital Stuttgart wiederum
sprachen über septische Spätkomplikationen nach laparoskopischen
Hernienoperationen. Die offene Diskussion über den Umgang auch mit seltenen
Schwerstkomplikationen ist sicher eine wichtige Basis für die geforderte
Transparenz in der Hernienchirurgie.
Das Thema der 2010 in München stattfindenden 8. Jahrestagung der Deutschen
Herniengesellschaft ist „Tailored surgery - Realität oder Fiktion?“.
Tagungspräsidentin wird Dr. Ulrike Muschaweck vom Hernienzentrum München
sein. Vor dem Hintergrund der vorangetriebenen Qualitätssicherungsmaßnahmen
in der Hernienchirurgie (siehe Fließtext) erwartet uns sicherlich auch im
kommenden Jahr eine interessante und kontroverse Diskussion.
Autor: Dr. Ralph Lorenz (Berlin),
ralph-lorenz@web.de
www.3chirurgen.de
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