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Zusammenfassungen
ausgewählter Fachvorträge aus dem umfangreichen Programm des 10. Bundes-kongresses
der niedergelassenen Chirurgen vom 29. Februar bis 2. März 2008 in Nürnberg.
Proktologie: Notfälle müssen nur selten operiert werden
Die Bandbreite proktologischer Notfälle in der chirurgischen Praxis umfasse
Schmerzen, Blutungen, den akuten Prolaps oder Inkarzerationen, Abszesse,
Fremdkörper im Analkanal und auch Koprostasen, wie der Freiburger Chirurg
Dr. Bernhard Strittmatter in der proktologischen Sitzung am Sonntag
Vormittag berichtete. Die häufigste Diagnose sei die Analvenenthrombose, die
exzidiert und mit einer kleinen Naht versorgt werden sollte. „Es reicht
nicht, die Analvenenthrombose nur zu inzidieren und den Thrombus
auszudrücken. Dieses unchirurgisches Vorgehen produziert Rezidivraten von 30
bis 50 Prozent“, erklärte Strittmatter. Gleiches gelte auch für den akuten
perianalen Abszess: Eine große Inzision am tiefst gelegenen Punkt mit
anschließender vollständiger Exzision des Abszesses sei dabei effektiver als
mehrere kleine Inzisionen.
Eine aktue Fissur solle zunächst konservativ mit ballaststoffreicher
Ernährung, Analdehner und Analtampon, aber ohne Laxantien therapiert werden.
Klinge die Fissur nicht ab, müsse der Chirurg eine Fissurektomie durchführen
um eine Chronifizierung und Fistelbildung zu vermeiden. Ein Patient mit
einem akuten heftigen Hämorrhoidalprolaps solle nach Möglichkeit nicht
gleich operiert werden, da sonst zu viel Gewebe verloren ginge. „Eine
sofortige OP käme einem Totalschaden gleich und gefährdet die Kontinenz des
Patienten“, warnte Strittmatter. Vielmehr solle der Chirurg zunächst
konservativ das Ödem und den Prolaps behandeln und erst nach Abklingen der
Schwellung über die Indikation zur Operation entscheiden. „Die meisten
Befunde sind nicht so dramatisch wie sie zunächst aussehen.“
Referent: Dr. Bernhard
Strittmatter (Freiburg)
Praxisbegehungen: Hygienemängeln einfach vorbeugen
Angesichts einer behördlichen Praxisbegehung könne sich ein Arzt durchaus
fühlen wie ein Griffelakrobat, meinte Dr. Ernst Tabori vom Freiburger
Beratungszentrum für Hygiene (BZH). Dennoch sei nicht von der Hand zu
weisen, dass es in manchen chirurgischen Praxen Hygienemängel gebe. Worauf
es beim Hygienemanagement ankommt, sei in Deutschland nicht durch ein
einheitliches Gesetz geregelt, sondern in diversen Gesetzen und
Verordnungen. Wissenschaftlicher Konsens bestehe aber beispielsweise
darüber, dass das OP-Personal saubere Hände und Fingernägel haben müsse, im
OP keinen Schmuck tragen dürfe und eine korrekte chirurgische
Händedesinfektion durchführen müsse.
„Doch auch eine zügige und gewebeschonende OP-Technik und eine Minimierung
der Personenzahl im OP senken die Wundinfektionsrate“, sagte Tabori. Auf
eine routinemäßige perioperative Antibiotikaprophylaxe könne man aus
hygienischer Sicht ebenso verzichten wie auf eine präoperative Rasur des
OP-Gebiets. Bei einer Begehung prüfe das Gesundheitsamt in erster Linie, ob
die Einrichtung nach einem praxisindividuellen Hygieneplan arbeitet, ob das
Personal qualifiziert ist und ob Aufbereitung und Validierung korrekt
dokumentiert werden. „Natürlich gibt es auch nachweislich unbegründete
Forderungen. In solchen Fällen sollten Sie sich mit Unterstützung Ihres
Berufsverbandes auch wehren“, empfahl Tabori.
Referent: Dr. Ernst
Tabori (Freiburg)
Praxisbegehungen: Ärger über regionale Unterschiede
Wie streng und nach welchen Vorgaben Gewebeaufsichts- und Gesundheitsämter
Begehungen in chirurgischen Praxen durchführen, ist regional sehr
unterschiedlich. Besonders gebeutelt sieht sich hier die ANC Unterfranken:
„In der zweiten Jahreshälfte 2007 gab es Begehungen in vielen Praxen unserer
Region, bei denen die Behörden völlig überzogene Maßstäbe angesetzt haben“,
kritisierte der ANC-Vorsitzende Dr. Harald Herterich.
Auch Frank Cebulla, der als technischer Leiter im OP-Zentrum von Dr. Philipp
Zollmann in Jena arbeitet, bestätigte das uneinheitliche und oftmals
widersinnige Gebahren der Landesgesundheitsämter. „Manche Ämter akzeptieren
keine Validierung mit Bioindikatoren mehr, obwohl es eine neue EU-Norm gibt,
die deren Einsatz nicht ausschließt.“ Man könne die Kompetenz der
Prüfbehörden anzweifeln, wenn fachfremde Berufsgruppen wie Pharmazeuten mit
der Hygienekontrolle chirurgischer Praxen betraut würden. Dennoch sollte man
eine anstehende Begehung auch als Chance begreifen, eigene Prozesse zu
reflektieren.
Referenten: Dr. Harald
Herterich (Gerolzhofen), Frank Cebulla (Jena)
Digitales Röntgen: Mehr Zeit und weniger Archivarbeit
Drei Jahre nach Einführung des digitalen Röntgens in seiner chirurgischen
Praxis zog Dr. Thomas Arndt eine positive Bilanz: „Die Fixkosten sind gut
kalkulierbar, wir haben sogar jährlich 6.000 Euro mehr Umsatz, weil wir
zusätzliche Röntgenziffern abrechnen können.“ Darüber hinaus habe seine
Praxis eine Arbeitskraft eingespart, die sich nun mit Sinnvollerem als dem
Sortieren von Röntgenbildern beschäftigen könne. „Außerdem haben wir
inzwischen eine nahezu papierlose Praxis und stellen fest, dass das digitale
Röntgen bei Patienten auch einen Marketingeffekt hat.“
Arndt empfahl Kollegen, die über eine Umstellung auf das digitale Röntgen
nachdenken, zunächst genau ihren Bedarf zu definieren: Wie viele
Arbeitsplätze, welche Anbindung und welche DICOM-Schnittstelle werden
benötigt? Bei der Wahl ihres Anbieters sollten sie detaillierte Angebote
auch über Wartungs- und Folgekosten einholen. „Wichtig ist auch, dass der
PACS-Anbieter und der EDV-Systembetreuer gut zusammenarbeiten.“
Referent: Dr. Thomas
Arndt (Celle)
Digitales Röntgen: Patienten kommen häufig mit unlesbaren CDs
Obgleich sie das digitale Röntgen nicht verteufeln wollten, wiesen Dr. Ralf
Ringler vom Institut für Medizinische Physik am Klinikum Nürnberg und der
Handchirurg Dr. Ulrich Bartelmann doch auf eine Reihe von Nachteilen der
neuen Technologie hin. „Für nicht-radiologische Praxen ist PACS eine teure
Lösung“, lautete Ringlers Fazit nach einer kritischen Nutzenbewertung. Die
Umstellung auf das digitale Röntgen erfordere umfangreiche Investitionen und
berge gewisse Risiken in Bezug auf die Datensicherheit im Langzeitarchiv.
Bartelmann ergänzte: „Das digitale Röntgen ist ein Segen für den Arzt, der
die Aufnahmen macht – aber häufig ein Fluch für den, welche die Aufnahmen
dann weiter befunden soll.“
Viele Patienten brächten ihm mittlerweile CDs mit digitalen Röntgenaufnahmen
mit, anhand derer er über eine mögliche operative Behandlung entscheiden
müsse. Auf diesen CDs seien die Bildbetrachtungsprogramme der jeweiligen
Systeme praktischerweise gleich mit abgespeichert. „Doch Bedienknöpfe und
auch Mausfunktionen sind bei all diesen Viewer-Programmen unterschiedlich,
das erschwert die rasche Befundung der Bilder.“ So lange es nicht
einheitliche Programm- und Bedienungsstandards gebe, sei das digitale
Röntgen ein Experimentierfeld, aber noch keine ausgereifte Technologie,
kritisierte Bartelmann.
Referenten: Dr. Ralf
Ringler (Nürnberg), Dr. Ulrich Bartelmann (Regensburg)
Handchirurgie: Trauma oder degenerative Schäden?
Ziel der Diagnostik bei Frakturen an Handwurzel, Mittelhand und Fingern ist
es, alte und frische Verletzungen sowie traumatische und degenerative
Schäden klar voneinander abzugrenzen. Dies berichtete der Kölner Handchirurg
Dr. Paul Altmann. Wichtig sei die genaue Anamnese: Berichte der Patient etwa
über einen Sturz auf die extendierte Hand, könne der Chirurg bereits aus dem
Handwinkel den Frakturtyp prognostizieren. Ebenso wichtig sei das genaue
Betrachten (Schwellung, Fingerstellung), das Bewegen (langsame Bewegungen
geben Aufschluss über unphysiologische Bewegungsmuster) und das Betasten der
verletzten Hand. Ein Kernspin könne niemals das native Röntgen oder die
Computertomographie ersetzen. „Häufig kommen Patienten aber mit einer
Überweisung und einer Kernspinaufnahme, jedoch ohne Röntgenbild“, monierte
Altmann.
Um Fehler zu vermeiden und verwertbare Röntgenaufnahmen zu erhalten, solle
der Arzt seine Mitarbeiter genau instruieren: Bei klinischem Verdacht auf
eine Handgelenks- oder Fingerfraktur solle nicht die ganze Hand, sondern nur
das Handgelenk bzw. der Finger in zwei Ebenen geröntgt werden. Außerdem
müsse die Zentralebene exakt eingestellt und die genaue Position zur
Röntgenebene festgelegt werden.
Referent: Dr. Paul
Altmann (Köln)
Rückenschmerz: Neues 3-Stufenmodell zur Therapie
Akute und chronische Rückenschmerzen sind ein Volksleiden, von dem
bundesweit 15,5 Prozent der Männer und 21,6 Prozent der Frauen betroffen
sind. Die interdisziplinäre Rückenschmerztherapie sei daher ein wichtiges
Betätigungsfeld für den neuen Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie,
wie Dr. Reinhard Deinfelder und Dr. Klaus Schatton vom Berufsverband der
Orthopäden (BVO) erklärten.
Die beiden Orthopäden präsentierten ein neues Modell zur Diagnostik und
Therapie des Rückenschmerzes, das auf drei Stufen unterschiedlicher
Spezialisierungsgrade basiert. Stufe 1 umfasse die allgemeinmedizinische
Diagnostik mit Anamnese und klinischer Untersuchung. „Wir dürfen uns nicht
scheuen, den Patienten anzufassen“, meinte Deinfelder. Die Überweisung zum
Facharzt oder in ein Rückenzentrum erfolge nur bei bestimmten Indikationen
oder persistierenden Beschwerden. Auf Stufe 2 solle der Facharzt
differenzialdiagnostisch das Chronifizierungsrisiko abschätzen und den
Rückenschmerz medikamentös oder mit physikalischen Maßnahmen therapieren.
Erst auf Stufe 3 werde ein interdisziplinärer Schmerzzirkel unter Leitung
eines qualifizierten Schmerztherapeuten zu Rate gezogen.
Referenten: Dr.
Reinhard Deinfelder (Berlin), Dr. Klaus Schatton (Berlin)
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