DGOOC: Zahl der Hüft- und Knieendoprothesen ist bereits wieder rückläufig



Die Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie e.V. (DGOOC) hat zur aktuellen Diskussion über vermeintlich zu viele und zu teure Operationen zum Gelenkersatz Stellung bezogen. Demnach steigt die Lebenserwartung der deutschen Bevölkerung nicht zuletzt deshalb ständig an, weil der Hüftgelenkverschleiß heute durch eine Endoprothese so erfolgreich behandelt werden kann: „Ältere Menschen mit Hüft- und Kniegelenksverschleiß oder Schenkelhalsbrüchen müssen nicht mehr invalide im Lehnstuhl sitzen, sondern können weiterhin mobil bleiben und ersparen dem Staat die Folgekosten anderer chronischer Erkrankungen wie Herz- und Kreislaufproblemen oder Depressionen“, heißt es in der DGOOC-Stellungnahme.

Die Gesellschaft beobachte die Versorgung im Bereich von Hüft- und Knieendoprothetik seit Jahren und habe in Kooperation mit der AOK einen „Versorgungsatlas“ auf den Weg gebracht, der die vermeintliche „Mengenausweitung“ und die Versorgungshäufigkeit von Hüft- und Knieendoprothetik auf Länder- und Kreisebene analysiert. Daraus folge, dass tatsächlich zwischen 2003 und 2005 ein deutlicher Anstieg von Hüft- und Kniegelenksersatzoperationen stattgefunden hat. Die DGOOC erklärt diesen Anstieg mit der Einführung des DRG-Fallpauschalensystems in den Krankenhäusern. Seit 2008 sei kaum noch eine Zunahme der Operationshäufigkeit festzustellen. Nach Daten der Externen Stationären Qualitätssicherung (ESQS) sei sowohl bei der Hüft- als auch bei der Knieendoprothetik von 2009 auf 2010 sogar ein Rückgang von 0,5 bzw. ein Prozent zu beobachten.

Die DGOOC wies zudem darauf hin, dass der von Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr bemühte Vergleich, Deutschland sei gemeinsam mit der Schweiz „Weltmeister hinsichtlich der Versorgung mit künstlichen Hüft- und Kniegelenken“ in dieser Form nicht haltbar sei: „In Deutschland werden die geplanten (elektiven) Hüft- und Kniegelenksersatzoperationen mit denjenigen nach Schenkelhalsbrüchen als auch mit Wechseloperationen zusammengefasst. In anderen Ländern ist dies nicht der Fall“, erklärte die DGOOC. Eine Mengenausweitung durch „angebotsindizierte Nachfrage“ lasse sich nicht belegen. „Es ist vielmehr umgekehrt: Dort, wo mehr Orthopäden tätig sind, wird weniger operiert. Dies zeigt, dass offenbar mit einer guten konservativen Behandlung in der orthopädischen Fachpraxis die Möglichkeiten des Gelenkerhaltes solange wie möglich ausgeschöpft werden“, schloss die Fachgesellschaft.

Zur Internetseite der DGOOC gelangen Sie hier:
www.dgooc.de
 

 
 
Antje Thiel

08.05.2012