BNC-Strategietagung: Was tun gegen die Benachteiligung der niedergelassenen Chirurgen?



Die diesjährige BNC-Strategietagung, die vom 15. bis 16. Juni 2012 in Fulda stattfand, stand in erster Linie unter dem Eindruck der jüngsten Studie des Zentralinstituts der KBV (ZI), das die Ein-kommenssituation der einzelnen Fachgruppen unter die Lupe genommen hatte. Den ZI-Berechnungen zufolge liegt der standardisierte Jahresüberschuss bei den Chirurgen nämlich bei nur 82.463 Euro und damit 22 Prozent unter dem laut Standardbewertungssystem (STABS) vorgesehenen Überschuss von 105.000 Euro. Die Teilnehmer der Tagung aus den Reihen des BNC-Vorstands und der regionalen Arbeitsgemeinschaften (ANC) diskutierten daher, welche Änderungen im EBM vorgenommen werden sollten, um die Chirurgen besser darzustellen. Sie einigten sich auf folgende Forderungen:
• Vergütung von Beratungen und Untersuchungen weiterhin in Pauschalen.
• Vergütung von Diagnose und Therapiemaßnahmen als Einzelleistungen.
• Leistungsausschlüsse sollen komplett abgeschafft werden.
• Alle operativen Eingriffen, Repositionen und Punktionen sollen unter dem Aspekt des Hygiene-
  schutzgesetzes in das OP-Kapitel aufgenommen werden.
• Einführung einer zweiten Ziffer für Neuerkrankungen des Patienten während des Quartals.
• Förderungswürdige Leistungen müssen weiterhin extrabudgetär und ggf. DRG-basiert vergütet werden.
• Teilnahme am Hautkrebsscreening muss für Chirurgen möglich sein, die dies wünschen.

Nach Auffassung von BNC-Präsident Dr. Dieter Haack legen die Ergebnisse der Studie für die Chi-rurgen nahe, Forderungen an die Krankenkassen zu richten, da aufgrund der schlechten Finanzlage in den letzten Jahren notwendige Investitionen nicht durchgeführt worden seien. Um in Zukunft aktuelle zuverlässige Daten als Argumentationshilfen zu erhalten, sei es aber unabdingbar, dass sich die niedergelassenen Chirurgen an der neuen ZI-Studie zu beteiligen. Der BNC wird seine Mitglieder regelmäßig hierzu auffordern, sich zu beteiligen, wenn sie vom ZI angeschrieben werden.

Weiterhin führte Haack aus, dass im Zuge der EBM-Reform eine indikationsentsprechende Grund-versorgung angedacht sei und forderte die Anwesenden auf, Vorschläge für die Reduktion des der-zeitigen EBM-Leistungskatalogs zu unterbreiten. Großen Anklang fand die Idee, Unfälle künftig grundsätzlich über die Berufsgenossenschaften (BG) zu versichern und auch analog zum BG-System zu vergüten. Nichtsdestotrotz liegt auch bei der Abrechnung mit den BG einiges im Argen, wie die Flut an Rückmeldungen, die der BNC auf eine Umfrage zu Kürzungen seitens der BG erhalten hat. Hack berichtete als Zwischenbilanz, die Sachkosten würden teilweise extrem niedrig vergütet. Haack stellte den BNC-Mitgliedern ein Widerspruchsschreiben zur Verfügung, mit dem sie bei ihrer BG gegen entsprechenden Kürzungen protestieren können.
 

 
 
Antje Thiel

11.07.2012