Daniel Bahr: Das VSG bietet viele noch ungeahnte Möglichkeiten



Der Kieler Kongress „Vernetzte Gesundheit“ ist mittlerweile eine etablierte Veranstaltung, die Experten aus der Gesundheitswirtschaft alljährlich in Schleswig-Holsteins Landeshauptstadt lockt. „Dieses Jahr können wir 515 Teilnehmer aus dem ganzen Bundesgebiet verzeichnen“, sagte Gesundheitsminister Heiner Garg (FDP) bei der Pressekonferenz am 19. Januar 2012. Gemeinsam mit Parteifreund und Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr erläuterte er den Journalisten die Neuerungen, die mit dem Versorgungsstrukturgesetzes (VSG) das Gesundheitswesen verändern werden. befürchtet ein finanzielles Buhlen der Bundesländer um Ärzte.

Als wichtigen Punkt nannten Bahr und Garg die Aufhebung der Residenzpflicht für Ärzte: Praxissitz und Wohnort müssten nicht mehr identisch sein, so dass ein Arzt in einer Metropole wohnen und im Umland seinen Arztsitz haben könne. Ebenso wiesen die beiden Politiker auf die erweiterten Möglichkeiten zur Zweigpraxis hin. So könnten nun beispielsweise Gemeinden ein Praxishaus errichten, das von einem Vertragsarzt als Zweigpraxis betrieben wird.

Garg bezeichnete es als kurzsichtig, dass andere Bundesländer zur Bekämpfung des Ärztemangels offensiv mit finanziellen Anreizen um Ärzte werben. „Es reicht nicht, nur einen Sack Geld hinzustellen. Auch Prämien werden junge und hochqualifizierte Menschen, die in einer Großstadt studiert haben, nicht dazu bewegen, sich auf dem Land niederzulassen.“ Gargs Schlussfolgerung: „Wir werden die Versorgung sicherstellen, doch diese Versorgung wird insbesondere in ländlichen Regionen anders aussehen als bisher.“

Bahr wiederum sah den Wettbewerb zwischen den Ländern um Ärzte für Krankenhäuser und Niederlassung als probates Mittel an: „Manche Länder zahlen angehenden Ärzten Stipendien, andere zahlen Prämien. Wir brauchen aber insgesamt mehr Mediziner und müssen die Abwanderung ausgebildeter Ärzte in andere Berufe stoppen.“ Das Medizinstudium sei der teuerste aller Studiengänge, „es wird aus Steuermitteln finanziert, das ist auch gut so, aber wir müssen dafür sorgen, dass nicht 30 bis 40 Prozent der Absolventen später in patientenfernen Berufen arbeiten“, sagte Bahr.

Einen ausführlichen Bericht über den Kongress „Vernetzte Gesundheit“ veröffentlichen wir in der nächsten Ausgabe des „Chirurgen Magazin“, die Mitte Februar 2012 erscheint.

Informationen über den Kongress finden Sie hier:
www.vernetzte-gesundheit.de
 

 
 
Antje Thiel

20.01.2012