A. T. Kearny-Studie: Ärzte fordern Abbau von Bürokratie im Gesundheitswesen



Diese Meldung machte in den vergangenen Tagen Furore: Einer aktuellen Studie der Unternehmensberatung A. T. Kearney zufolge entfallen 23 Prozent der 176 Milliarden Euro Gesamtausgaben der gesetzlichen Krankenversicherung 2010 auf bürokratische Abläufe. In der Studie wurde bereits vorgerechnet, dass allein durch Bürokratieabbau rund 13 Milliarden Euro eingespart werden könnten. Seither überschlagen sich Ärzteverbände, Ärztenetze und die Organe der Selbstverwaltung mit ihren Kommentaren. Einig sind sie sich in einem Punkt: Das deutsche Gesundheitswesen ist ein überreguliertes System, das in dieser Komplexität nicht zu überbieten ist.

So erklärte der Vorstandsvorsitzende der KV Bayerns, Wolfgang Krombholz: „Die Studie zeigt: Nicht die Patientenversorgung ist der Kostentreiber, sondern Dokumentation und Verwaltung der Versorgung sind es.“ Der Präsident der Ärztekammer Westfalen-Lippe Dr. Theodor Windhorst ließ verlauten: „Der bürokratische Wahnsinn hat in unser Gesundheitswesen schon längst Einzug gehalten und blockiert an vielen Stellen die medizinische Versorgung der Patienten.“ Es könne nicht sein, dass Klinikärzte ein Drittel ihrer Arbeitszeit mit Verwaltungsaufgaben zubringen müssten. Auch die niedergelassenen Ärzte müssten von „dauernden Dokumentationen und unnötigem Papierkram“ entlastet werden.

Der Medi-Verbund nutzte die Gunst der Stunde, erneut eine Abkehr vom Sachleistungssystem in der gesetzlichen Krankenversicherung zu fordern. „Besser wäre weniger Staat und ein echter Wettbewerb statt des Gesundheitsfonds, der Milliarden kostet und Milliarden zwischen Krankenkassen und den Ländern umverteilt“, forderte Medi-Chef Dr. Werner Baumgärtner. „Wir brauchen einen Rahmen von Pflicht- und Wahlleistungen, also einen transparenten Leistungskatalog für Patienten, Kassen, KVen, Krankenhäuser und Ärzte. Wir brauchen feste Preise im ambulanten Bereich, dann entfällt die Verteilungsbürokratie mit hunderten von sinnlosen Ausschüssen. Alle darüber hinaus gehenden staatlichen Eingriffe in die Kollektiv- und Selektivverträge fördern nur die Bürokratie.“

Der Bayerische Facharztverband (BFAV) kennt ebenfalls ein Patentrezept gegen überbordende Bürokratie: „Wir haben mit dem Gesundheitskonto Bayern eine scharfe Waffe, um der Bürokratie im Gesundheitswesen die Köpfe abzuschlagen“, sagte BFAV-Sprecher Dr. Wolfgang Bärtl. Das Modellprojekt, das die KV Bayerns auf Initiative des BFAV zusammen mit der Audi BKK im Gesundheitsnetz Ingolstadt aufgelegt habe, biete nicht nur Transparenz für Patient, Arzt und Krankenkasse, „… mit dem Nebeneffekt, dass mit knappen Ressourcen sparsam umgegangen wird, ohne dass Abstriche an einer optimalen Versorgung gemacht werden“, lobte Bärtl die Politik im Freistaat und ergänzte: „In der Kostenerstattung liege der Schlüssel zum Erfolg!“ Die 2. stellvertretende KVB-Vorstandsvorsitzende Dr. Ilka Enger wolle mit dem Vorzeigemodell aufzeigen, „dass es besser ist, das Geld in die Versorgung der Patienten als in den Wasserkopf einer ausufernden Bürokratie zu investieren. Bürokraten füllen nur Akten, allein Ärzte heilen Menschen.“

 

 
 
Antje Thiel

06.01.2012