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Die gesetzlichen Krankenkassen wollen im nächsten Jahr deutlich weniger
Geld für die ambulante Versorgung ihrer Versicherten zur Verfügung
stellen und haben mit ihrer Ankündigung einen Proteststurm bei der
ärztlichen Selbstverwaltung ausgelöst. Dr. Andreas Köhler,
Vorstandsvorsitzender der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV),
erklärte am 9. August 2012 zu den laufenden Verhandlungen mit den
Krankenkassen: „Das ist in der gegenwärtigen Situation absolut
unverständlich. Ein rigider Sparkurs ist nicht nur verantwortungslos
gegenüber den Patienten, sondern steht auch im Widerspruch zum Gesetz.“
Bei den aktuellen Verhandlungen geht es um die Finanzierung der
ambulanten Versorgung im nächsten Jahr, unter anderem auch darum, was
die einzelnen Untersuchungen und Behandlungen kosten. Die KBV fordert
einen seit 2008 angefallenen Inflationsausgleich von 3,5 Milliarden
Euro. „Dieser Betrag ist notwendig, allein um die gestiegenen
Betriebskosten und die Inflation seit 2008 auszugleichen“, sagte Köhler
unter Verweis auf die aktuelle Studie des Zentralinstituts für die
kassenärztliche Versorgung (ZI) in Deutschland, den Jahresbericht 2010
des ZI-Praxis-Panels.
Diese Längsschnittstudie zur wirtschaftlichen Lage in den Praxen belege,
dass diese im Schnitt 92.000 Euro Überschuss erreichen. Der
Honorarordnung der niedergelassenen Ärzte und Psychotherapeuten liege
aber die Annahme zugrunde, dass 105.572 Euro als angemessener
Praxisüberschuss gelten. Das habe der Bewertungsausschuss bei der
Bewertung der Leistungen im Einheitlichen Bewertungsmaßstab für 2008
angenommen. „Es fehlen damit 13 Prozent an der Vergütung“, sagte Köhler
und warnte: „Durch die stetig steigenden Betriebskosten und die
Inflation ist es bereits zu einem Investitionsstau von zwei Milliarden
Euro im Jahr 2010 gekommen.“
Weiter führte der KBV-Chef aus: „Der Gesetzgeber schreibt außerdem vor,
dass sich die Vergütung der Vertragsärzte und -psychotherapeuten ab dem
Jahr 2013 der Entwicklung der Morbidität anpassen muss. Tatsächlich
werden in unserer Gesellschaft die Menschen immer älter und leiden immer
mehr an langwierigeren und in der Behandlung teureren Erkrankungen wie
Diabetes oder Demenz“, erläuterte Köhler.
Er wies darauf hin, dass gerade auf dem Land die Versorgung gefährdet
sei. „Patienten müssen immer weitere Wege zu ihrem nächsten Arzt
zurücklegen. Für junge Mediziner sind solche Forderungen der Kassen ein
verheerendes Signal, womit sie umso mehr von einer Niederlassung in
ländlichen Regionen zurückschrecken“, kritisierte Köhler. Von den Kassen
forderte er daher, sich ihrer Verantwortung zu stellen und die
notwendigen Mittel für die Versorgung der Versicherten bereitzustellen.
Zur Internetseite des ZI-Praxis-Panels gelangen Sie hier:
www.zi.de
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