Präoperative Physiotherapie: Fit für die OP und die Zeit danach



Patienten, die sich nach einer Operation mit physiotherapeutischer Hilfe wieder fit machen und eingeschränkte Funktionen zurückerobern – das ist klinischer Alltag. Doch eigentlich kommt die Physiotherapie damit zu spät, so die Auffassung der Ergotherapeutin und Bewegungswissenschaftlerin Christine Schäfer: Viele Patienten würden davon profitieren, wenn sie bereits vor einem operativen Eingriff an ihrer Fitness arbeiten. In den Niederlanden wurde daher das Konzept der präoperativen Physiotherapie entwickelt. Der niederländische Therapeut Nico van Meeteren erklärte hierzu: „Gerade bei älteren, gebrechlichen Menschen reicht es nicht, wenn man erst nach der Operation anfängt zu behandeln.“ Van Meeteren gilt als einer der Vorreiter der präoperativen Physiotherapie.

In der Regel müssten Patienten mehrere Wochen auf geplante Operationen wie onkologische Eingriffe oder den Einsatz eines neuen Hüft- oder Kniegelenks warten. „Diese Zeit kann genutzt werden“, berichtete Schaefer und verwies auf niederländische Studien, nach denen das präoperative Training dazu beiträgt, dass die Patienten nach dem Eingriff wieder schneller fit für den Alltag sind. Im Fokus stünden dabei drei Funktionsbereiche: Die Leistungsfähigkeit des Atemwegsystems, des Herz-Kreislauf-Systems und der Muskeln. Durch gezielte Übungen solle bei der präoperativen Physiotherapie die Fitness der Patienten verbessert werden. Ausdauertraining und Muskelkräftigung stünden dabei ebenso auf dem Programm wie die Erweiterung der Atemkapazität. Neben den angeleiteten Trainingseinheiten biete auch der Alltag viele Gelegenheiten, die Ausdauer zu trainieren. So motivierten die Therapeuten ihre Patienten etwa dazu, statt der Rolltreppe oder des Lifts die Treppe zu nehmen, im Stehen zu arbeiten oder die Tür selbst zu öffnen, wenn es klingelt.

Nach dem Motto „Better in – better out“ verbessere die präoperative Physiotherapie die Lebensqualität und das körperliche Wohlbefinden der Patienten nach der Operation. „Es geht jedoch nicht nur um den Wohlfühlfaktor“, betonte die Autorin des Beitrags. Handfestere Erfolge des frühen Trainings zeigten sich darin, dass die Komplikationsrate nach dem Eingriff sinkt und die Patienten die Klinik früher verlassen können. Besonders deutlich reduzierte sich in den Studien die Zahl der Komplikationen des Atemwegsystems bis hin zu Lungenentzündungen – ein Befund, der Schäfer zufolge nahelegt, dass die präoperative Therapie womöglich sogar die Sterblichkeit nach schweren Operationen verringert.

C. Schaefer: Better in – better out. In: physiopraxis 2010; 8 (5): S. 32–35

Eine Zusammenfassung des Artikels finden Sie hier:
www.thieme.de
 

 
 
 
Antje Soleimanian

Fr.  03.09.2010