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„Wir brauchen eine gesamtgesellschaftliche, offene und ehrliche Diskussion
darüber, was die solidarisch finanzierte Krankenversicherung in Zukunft
noch leisten kann und soll. Dazu gehört auch, über Priorisierung im Sinne
einer Vermeidung von Rationierung zu sprechen.“ Das hat der
Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Dr.
Andreas Köhler, am 10. Mai 2010 auf der Vertreterversammlung seiner
Organisation in Dresden gefordert. Der Ausgabendruck auf die
niedergelassenen Ärzte seitens der Krankenkassen sei teilweise so hoch,
dass er zu einer impliziten Rationierung führe, sagte Köhler weiter. Dies
sei einer der Gründe für die zunehmende Unzufriedenheit unter den Ärzten
und die nachlassende Bereitschaft junger Mediziner, sich überhaupt noch
niederzulassen.
Der KBV-Chef würdigte jedoch die Signale, die die Politik in diesem
Zusammenhang aussende. Die Diskussion zeige, dass es der Bundesregierung
ernst damit sei, den Ärztemangel nachhaltig zu bekämpfen. Maßnahmen wie
eine Landarztquote, mehr Medizinstudienplätze oder veränderte
Zulassungskriterien reichten jedoch nicht aus. „Worauf es vor allem
ankommt, sind bessere Arbeitsbedingungen für Ärzte. Das heißt vor allem:
Abbau von Bürokratie. Es geht darum, knappe ärztliche Zeit nicht an eine
aufgeblähte Bürokratie zu verschwenden, sondern Patienten zu behandeln!“,
unterstrich Köhler.
der KBV-Vorstandsvorsitzende kritisierte allerdings das Vorhaben, Ärzte in
überversorgten Gebieten mit niedrigeren Preisen für ihre Leistungen zu
bezahlen und in unterversorgten Regionen Zuschläge zu gewähren. „Das würde
bedeuten, dass gerade einmal 51 Vertragsärzte in den Genuss höherer
Punktwerte kämen, während 77.228 Ärzte geringer vergütet würden.
Gleichzeitig verursacht das Ganze einen irren Aufwand und wird bestimmt
nicht die gewünschte Wirkung erzielen, nämlich Ärzte für unterversorgte
Gebiete zu gewinnen“, betonte Köhler. Dabei sei es im Grundsatz richtig,
Anreize für die Niederlassung in Gegenden zu schaffen, in denen der
Ärztemangel bereits akut ist: „Viele Kassenärztliche Vereinigungen tun
dies bereits. Sie geben zum Beispiel Umsatzgarantien oder Zuschüsse zu
Praxisinvestitionen.“
„Die Frage, wie sinnvoller Wettbewerb in einer solidarischen
Krankenversicherung ausgestaltet werden soll, ist bis heute nicht,
mindestens nicht ausreichend beantwortet. Denn es geht nicht nur darum,
die Effizienz zu steigern, sondern es geht auch darum, die Solidarität
nicht zu schwächen oder gar zu zerstören, und es geht darum, jedem
einzelnen die Chance auf eine gute medizinische Versorgung zu erhalten“,
betonte Köhler. Werde der Kollektivvertrag jedoch zunehmend durch
populationsbezogene selektive Vollversorgungsverträge ersetzt, sei er auf
Dauer nicht überlebensfähig. Das Sicherheitsnetz KV sei dann zerschnitten,
im Gegenzug wachse die Abhängigkeit von der Marktmacht einzelner
Krankenkassen. Solche Auswüchse des Wettbewerbs liefen dessen Grundidee
zuwider, nämlich Versorgungsverbesserungen zu testen und den Patienten
zugute kommen zu lassen, warnte Köhler.
Weitere Informationen finden Sie auf der Internetseite der KBV unter
www.kbv.de
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