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Mit Blick auf Zahlen des Statistischen Bundesamtes (Destatis) hat Joachim
Klose, Leiter des Forschungsbereichs Ärztliche Versorgung, Betriebliche
Gesundheitsförderung und Pflege im Wissenschaftlichen Institut der AOK (WIdO)
die aktuelle Diskussion über den Ärztemangel als nicht nachvollziehbar
bezeichnet. „Wer sich die Zahlen zur Entwicklung der Arztdichte in
Deutschland genau anschaut, wird feststellen, dass es heute deutlich mehr
als ein Viertel mehr berufstätige Ärzte als Anfang der 90er-Jahre gibt“,
sagte Klose gegenüber dem AOK Mediensservice (ams). Im Jahr 2008 seien mit
390 berufstätigen Ärzten je 100.000 Einwohner deutschlandweit 28,2 Prozent
mehr Mediziner gezählt worden als im Jahr 1991 mit 304 Ärzten. Seit Mitte
der 70er-Jahre hat sich die Arztdichte in Deutschland sogar mehr als
verdoppelt, und sie steigt jedes Jahr weiter an.
Zwar habe es nach Zahlen der Kassenärztlichen Bundesvereinigung Anfang
2009 noch 3.620 offene Arztsitze (davon 2.026 Hausarzt-Sitze) gegeben,
„doch dokumentieren diese Daten nicht etwa zu geringe Arztzahlen, sondern
restliche Zulassungsmöglichkeiten für Mediziner“, betonte Klose. So
dürften sich in Deutschland, selbst wenn in einem Planungsbereich eine
Vollversorgung von 100 Prozent besteht, weitere Ärzte neu dort
niederlassen, bis mit einem Versorgungsgrad von 110 Prozent eine
Überversorgung der Bevölkerung mit Ärzten erreicht beziehungsweise
überschritten ist. Klose erklärte weiter: „Würden alle von der KBV als
offen titulierten Arztsitze besetzt, hätten wir es in Deutschland
flächendeckend für alle Arztgruppen mit Überversorgung zu tun, sodass sich
bundesweit kein Arzt mehr neu niederlassen dürfte.“
Insgesamt werde über alle Arztgruppen hinweg das Plansoll bundesweit um 26
Prozent übertroffen. Selbst im vieldiskutierten hausärztlichen Bereich
ergebe sich bundesweit ein Gesamtversorgungsgrad von 108 Prozent. Auf
Landesebene gebe es nur in Sachsen-Anhalt mit 94,8 Prozent eine
Unterdeckung, insgesamt seien 47 Prozent aller Planungskreise bei
Hausärzten überversorgt. „Es gibt also insgesamt mehr Hausärzte, als im
Rahmen der Bedarfsplanung nötig wären. Bei Fachärzten ist die
Überversorgung noch ausgeprägter: Mit Internisten sind alle Planungskreise
überversorgt, bei den Hautärzten sind es 92 Prozent, bei Augenärzten 84
Prozent“, meinte Klose.
„Wir haben es also bei den niedergelassenen Ärzten nicht mit Ärztemangel,
sondern mit einem Verteilungsproblem zu tun. Dies schafft Probleme, denn
die Überversorgung bindet auch Finanzmittel, die an anderer Stelle fehlen.
Ohne eine regionale Umsteuerung der Finanzmittel mit Einbußen in
überversorgten Gebieten wird das Verteilungsproblem nur schwer zu lösen
sein“, kritisierte der WIdO-Experte.
Zum vollständigen ams-Interview mit Joachim Klose gelangen Sie hier:
www.aok-bv.de
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