|
Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) und der Patientenbeauftragte
der Bundesregierung, Wolfgang Zöller (CSU), wollen den Arztberuf
attraktiver machen um dem jüngst errechneten Mangel an 3.620
niedergelassenen Ärzten entgegenzuwirken. Der KBV-Statistik zufolge gibt
es in erster Linie zu wenig Hausärzte und Psychotherapeuten. Zöller will
für gezielte Anreize sorgen, damit sich Ärzte auf dem Lande niederlassen.
Besonders viele Ärzte fehlten in Niedersachsen (678 Ärzte) und
Nordrhein-Westfalen (493 Ärzte).
Auch die Deutsche Krankenhausgesellschaft e.V. (DKG) klagt über
Ärztemangel, verfügt dabei aber offenbar über andere Zahlen. So erklärte
der DKG-Hauptgeschäftsführer Georg Baum: „5.000 offene Arztstellen in den
Krankenhäusern und fast 4.000 fehlende niedergelassene Ärzte sind ein
gravierendes deutschlandweites Problem.“ Baums Lösungsvorschlag: „Um die
sich verschärfenden negativen Folgen zu begrenzen, müssen an der
Schnittstelle von ambulanter und stationärer Versorgung die Barrieren
abgebaut werden.“ Genau an diesen Schnittstellen verlaufen die derzeitigen
Verhandlungen mit dem GKV-Spitzenverband und der KBV nach Auffassung der
DKG allerdings kontraproduktiv. Die DKG spielt damit auf Einschränkungen
der Zulassung nach § 116 b SGB V und auf die im Koalitionsvertrag
angekündigte Rückführung der Medizinischen Versorgungszentren (MVZ) in die
alleinige Trägerschaft der Ärzte an, die nach Auffassung Baums einem
offensiven sektorenübergreifenden Miteinander entgegensteht. Die DKG sieht
im Abbau von Hemmnissen zwischen ambulanter und stationärer Versorgung
daher „eine kurzfristig wirksame Strategie gegen Ärztemangel und
Wartelisten sowie für die ärztliche Wahlfreiheit“.
Der Verband der Ersatzkassen (vdek) hingegen hält nichts von „pauschalen
zum Ärztemangel“. Vdek-Chef Thomas Ballast erklärte: „Es gibt keinen
generellen Ärztemangel, sondern höchstens regionale Engpässe, die zu
beheben sind.“ Hier seien vor allem die KBV und die Kassenärztlichen
Vereinigungen (KVen) in den Ländern gefordert, gemeinsam mit den
Krankenkassen intelligente Lösungsvorschläge zu entwickeln und die
ländlichen Regionen für die Ärzte attraktiv zu machen. „Wer von
Unterversorgung redet, sollte auch von den Überkapazitäten vor allem in
den Städten reden und die Patienten nicht verunsichern“, argumentierte
Ballast und verwies darauf, dass die Zahl der ambulant tätigen Ärzte in
den vergangenen 20 Jahren um 50 Prozent von 92.289 im Jahr 1990 auf
137.538 im Jahr 2007 gestiegen sei. 89 Prozent aller Planungsbereiche
seien überversorgt, nur zehn Prozent seien regelversorgt. Die meisten
Planungskreise seien für Neuniederlassungen gesperrt, in weniger als einem
Prozent aller Planungskreise sei eine bestehende oder unmittelbar drohende
Unterversorgung festzustellen. Bereits heute seien entsprechende
Steuerungsinstrumente, wie zum Beispiel Zuschläge für unterversorgte und
Abschläge für überversorgte Gebiete, im Einheitlichen Bewertungsmaßstab
(EBM) vorhanden. Diese differenzierten Punktwerte müssten kurzfristig
umgesetzt werden, forderte der vdek. Übergangsfristen, wie die KBV sie
fordert, seien hingegen nicht zielführend. „Wer Zuschläge für
Unterversorgung fordert, muss auch Abschläge bei Überversorgung
akzeptieren!“, sagte Ballast.
|