Noch unveröffentlichte Studie des IGES macht Privatversicherer nervös



Eine noch von der Großen Koalition bestellte und bislang unveröffentlichte Studie zu Wettbewerb und Demographiefestigkeit der privaten Krankenversicherung (PKV) sorgt derzeit für Nervosität in der schwarz-gelben Koalition und bei den Unternehmen der PKV. Wie das „Handelsblatt“ berichtete, kommt der Schlussbericht des Projekts zu einem vernichtenden Ergebnis: Nur in der Theorie schütze das Geschäftsmodell der PKV mit risikoäquivalenten Beiträgen und Rückstellungen für steigende Gesundheitskosten im Alter die 8,7 Millionen Privatpatienten besser vor den Folgen steigender Behandlungskosten in einer alternden Gesellschaft als die umlagefinanzierte gesetzliche Krankenversicherung ihre 70 Millionen Versicherten, berichtet das „Handelsblatt“ in seiner Ausgabe vom 17. Februar 2010.

Aufgrund mangelnden Wettbewerbs und steigender Ausgaben könne die PKV ihren Ansprüchen kaum gerecht werden kann, einen besseren Schutz gegen Beitragssteigerungen zu bieten, zitierte die Zeitung die Studie. Insbesondere müssten ältere Privatversicherte trotz der für sie gebildeten Alterungsrückstellungen sprunghafte Beitragserhöhungen fürchten mit der Folge, dass ihr verfügbares Alterseinkommen zu einem erheblichen Teil aufgezehrt werde.
In den Reihen der gesetzlichen Krankenkassen habe man schon fast Verständnis dafür, dass Wirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) das von seinem Vorgänger Michael Glos (CSU) angestoßene Projekt erst einmal in der Schublade habe verschwinden lassen und gegenüber dem IGES Nachbesserungsbedarf angemeldet habe.

Das IGES werfe der PKV vor, ihre Spielräume bei der Tarifgestaltung zu nutzen, um jungen Versicherten besonders gute Angebote machen zu können. Junge würden gezielt in diese Tarife gelockt. Die Älteren hätten aber aufgrund erneuter Risikoprüfung und Verlusten bei den Alterungsrückstellungen keine Möglichkeit, in solche Tarife zu wechseln. Sie müssten deshalb in ihrem alten Tarif bleiben, der zwangsläufig vergreise und immer teurer werde. Zudem kritisierte das IGES, die PKV habe zu wenig Möglichkeiten, die Ausgabenentwicklung zu steuern. Die Leistungsausgaben je Versicherten in der PKV seien zwischen 1997 und 2008 um 49 Prozent gestiegen sind. Bei den gesetzlichen Kassen seien es hingegen nur 31 Prozent gewesen. Dennoch habe das Institut keine Anhaltspunkte dafür gefunden, dass Privatpatienten qualitativ besser behandelt würden.

Den vollständigen Artikel des Handelsblattes finden Sie hier:
www.handelsblatt.com
 

 
 
 
Antje Soleimanian

Do. 18.02.2010