Gesundheitsminister der Länder wollen im Herbst über Klinikhygiene beraten



Drei infolge von Krankenhausinfektionen gestorbene Säuglinge haben aktuell die Diskussion über Hygienestandards in deutschen Kliniken wieder aufleben lassen. Die Vorsitzende der Gesundheitsministerkonferenz, die niedersächsische Ministerin Aygül Özkan (CDU), will das Thema auf die Tagesordnung eines Sondertreffens setzen, wie ihr Sprecher Thomas Spieker am Mittwoch gegenüber der Nachrichtenagentur dpa in Berlin bekannt gab. Die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) hält den überwiegenden Anteil aller Infektionsfälle zwar für nicht vermeidbar. Dennoch seien die Krankenhäuser „offen für die Diskussion über bundeseinheitliche Regelungen zu Infektionsvermeidungen“, erklärte DKG-Hauptgeschäftsführer Georg Baum. Allerdings benötigten die Kliniken hierfür mehr Finanzmittel: „Unabdingbar ist hierbei die volle Refinanzierung der dadurch entstehenden Mehrkosten“, sagte Baum weiter.

Der BNC wiederum wies im Zusammenhang mit den aktuellen Vorfällen erneut auf die niedrigen Infektionsraten beim Ambulanten Operieren hin, die von den niedergelassenen Operateuren bereits heute aus Bordmitteln bestritten werden: „Die Infektionsraten beim Ambulanten Operieren gehen gegen Null“, sagte BNC-Präsident Dr. Dieter Haack in einer Pressemitteilung des Verbandes. Doch obwohl Patienten beim Ambulanten Operieren keinen gefährlichen Krankenhauskeimen ausgesetzt sind, nach ihrer Operation schneller genesen, weniger Schmerzen haben und rascher wieder arbeitsfähig sind, will die Bundesregierung die Zahl ambulanter Eingriffe in 2011 begrenzen: Während das Ambulante Operieren bislang nicht budgetiert wurde, sieht der aktuelle Gesetzentwurf zur Gesundheitsreform enge Budgets auch für das Ambulante Operieren bei niedergelassenen Operateuren vor.

Haack kritisierte: „Eigentlich will man seit Jahren Geld einsparen, indem man Operationen vom Krankenhaus in den ambulanten Bereich verlagert. Dieser Grundsatz wurde im Gesetzentwurf völlig in den Hintergrund gedrängt. Scheinbar will die Bundesregierung nicht auf sinnvolle Weise Kosten senken, sondern lieber rasenmäherartig auf allen Gebieten kürzen – selbst wenn die jeweilige Leistung die Kosten senkt und im Interesse des Patienten ist.“
 

 
 
 
Antje Soleimanian

Fr.  27.08.2010