Thrombose-Initiative regt bundesweites Thrombose- und Lungenembolieregister an



Die Versorgungslage bei der Thromboseprophylaxe muss nach Auffassung der Thrombose-Initiative e.V. verbessert werden. Bei einem Treffen mit dem Patientenbeauftragten der Bundesregierung und Bundestagsabgeordneten, Wolfgang Zöller, sowie weiteren Vertretern aus Politik, Gesundheitswesen und Ärzteverbänden am 27. Juli 2010 in Frankfurt diskutierte die Initiative daher darüber, wie die bestehenden Wissenslücken geschlossen werden können. Professor Knut Kröger von der Thrombose-Initiative sagte: „Wir wissen einerseits zu wenig über die Häufigkeit und die Umstände des Auftretens von Thrombosen und Lungenembolien in Deutschland und haben andererseits zu wenig Kenntnis vom tatsächlichen Nutzen der verfügbaren und zu erwartenden Arzneimittel.“

Nach Angaben der Initiative sterben in Deutschland jedes Jahr schätzungsweise rund 35.000 Menschen an einer Lungenembolie, die wiederum meist Folge einer tiefen Beinvenenthrombose ist. Die vor rund drei Jahren gegründete Initiative habe sich zum Ziel gesetzt, Aufklärung über die beiden Erkrankungen, ihre Risikofaktoren und Prophylaxemöglichkeiten zu betreiben, um möglichst viele Krankheitsereignisse zu verhindern. Diese Aufklärungsarbeit richte sich nicht nur an die Öffentlichkeit, sondern gerade auch an Hausärzte und Gesundheitspolitiker. Denn Hausärzte besäßen weder das notwendige Budget noch entsprechende Leitlinien, um dem Thromboserisiko ihrer Patienten adäquat zu begegnen.

Aus DRG-Statistik und WHO-Daten ließen sich lediglich einige Trends ableiten – beispielsweise, dass Lungenembolien in Deutschland vor allem altersabhängig zunehmen, bei jungen Mädchen und Frauen viel häufiger vorkommen als bei gleichaltrigen Männern und in Deutschland (gegen den internationalen Trend) insgesamt ansteigen. Die genauen Zusammenhänge seien jedoch nur durch ein langfristig angelegtes, bevölkerungsbasiertes Thrombose- und Lungenembolieregister zu ermitteln. Als mögliches Pilotprojekt für ein solches Register hat die Thrombose-Initiative ein eigenes Projekt zur Datensammlung gestartet, das GATE-(GermAn VTE Registry) Register.

Die Kosten der akuten Behandlung der Lungenembolie in Deutschland schätzte Kröger anhand von Krankenkassendaten auf rund 640 Millionen Euro pro Jahr. Er erwarte eine weitere Zunahme der Fälle, weil die Bevölkerung überaltere, die Patienten immer früher aus dem Krankenhaus entlassen und die Behandlungskonzepte immer komplexer würden. Gerade im ambulanten Bereich sei die Thromboseprophylaxe jedoch noch sehr unzureichend verankert. Vor diesem Hintergrund sei die zu erwartende Einführung neuer oraler Antikoagulantien kritisch zu sehen. „Nur wenn es gelingt, eine belastbare Datenlage zu schaffen, die eine klare Risiko-Nutzen-Bewertung zulässt, kann sich die Versorgungslage verbessern. Sonst ist nicht sichergestellt, dass die
richtigen Patienten die richtige Prophylaxemaßnahme erhalten“, meinte Kröger.

Die Thrombose-Initiative sucht deshalb auf politischer Ebene Mitstreiter für ihren Lösungsansatz, ein System zu schaffen, das parallel zur Einführung neuer Antikoagulantien deren klinische Kosten-Nutzen-Relation im Hinblick auf die Reduktion
thromboembolischer Ereignisse erfasst und die Preisgestaltung von den Ergebnissen abhängig macht. Zöller zeigte sich aufgeschlossen für dieses Anliegen und stellte in Aussicht, die Probleme der Nutzenbewertung für neue Arzneimittel mit in die Anhörung zur aktuellen Gesundheitsreform zu tragen und die Schirmherrschaft für eine öffentliche Fachveranstaltung zum Thema im kommenden Jahr zu übernehmen.

Weitere Informationen unter www.thrombose-initiative.de
 

 
 
 
Antje Soleimanian

Di.  03.08.2010