|
Etwa zwei Millionen Deutsche haben nach Angaben der Deutschen Gesellschaft
für Chirurgie (DGCH) schon einmal am Arbeitsplatz Psychopharmaka
eingenommen. Auch Chirurgen seien bei wachsendem Leistungsdruck versucht,
Medikamente zu schlucken, die sie möglichst lange konzentriert arbeiten
lassen. Konkret gehe es um Substanzen, die ausgleichen und dämpfen, vor
allem aber aufmerksam, konzentriert und wach halten: Modafinil oder auch
Methylphenidat, die entwickelt wurden für die Therapie von krankhaftem
Schlafdrang oder Aufmerksamkeitsdefiziten.
Doch weder die Wirkung dieses „Gehirn-Dopings“, noch die davon ausgehende
Gefahr seien bislang ausreichend belegt. „Bei einem chirurgischen Eingriff
sind in höchstem Maße klare Urteilsfähigkeit und Entschlusskraft gefragt“,
sagt Professor Hartwig Bauer, Generalsekretär der DGCH aus Berlin. Diese
könnten durch das Neuroenhancement beeinträchtigt sein. Auch die nötige
Distanz zum Operationsgeschehen könne durch die Pillen verloren gehen. Wie
die DGCH mitteilte, ist noch unklar, welche Rolle die „Wachmacherpillen“
für Operateure tatsächlich spielen. In einer aktuell laufenden
Untersuchung zur Lebensqualität von Chirurginnen und Chirurgen in
Deutschland befrage die Fachgesellschaft die Teilnehmer daher auch, ob
diese ihre berufliche Leistung medikamentös steigern.
Die DGCH kritisierte in diesem Zusammenhang auch für ein aktuelles
Memorandum von sieben Experten unterschiedlicher Fachrichtungen zum
Neuroenhancement, die „keine überzeugenden grundsätzlichen Einwände gegen
eine pharmazeutische Verbesserung des Gehirns und der Psyche“ hegen. „Ein
liberalisierter Umgang, der mangels qualifizierter Studien schlicht auf
Unsicherheit und Unwissenheit basiert, wäre jedoch das falsche Signal“,
warnte Bauer.
|