Hessischer Chirurgen Verband kritisiert Schnäppchenjagd im Medizinbetrieb
     
 

Scharfe Kritik am Verhalten der hessischen Krankenkassen übt der Vorsitzende des Hessischen Chirurgen Verbandes (HCV), Dr. Christoph Schüürmann. Im Editorial der aktuellen Ausgabe des Chirurgen Magazin, die in Kürze erscheint, vergleicht er die Haltung der Kassen gegenüber den ambulanten Operateuren mit einer Schnäppchenjagd zu Lasten der Qualität. Lesen Sie hier einen Auszug aus Schüürmanns Editorial.

„Allen voran die AOK, versprechen die Kassen ihren Versicherten weiterhin ein Rundum-Sorglos-Paket nach dem anderen – in der Hoffnung, dass nicht noch mehr Mitglieder kündigen und sich berechtigterweise eine bessere Krankenkasse suchen. Bezahlen wollen die Kassen für ihre vollmundigen Versprechungen aber nicht.

Vor acht Jahren waren die hessischen Strukturverträge zum ambulanten Operieren – gemeinsam ausgehandelt mit KV und Ärzteschaft – neu und sehr fortschrittlich: Es gab feste DM-Beträge, später dann feste Euro-Preise. Über viele Jahre hatten die hessischen Strukturverträge Vorbildcharakter für die ganze Republik: Andere KVen zogen nach und handelten mit den Kassen ebenfalls Verträge zum ambulanten Operieren aus. In immer mehr KV-Bezirken konnten Chirurgen beim ambulanten Operieren nun mit extrabudgetären und immerhin kostendeckenden Honoraren rechnen.

Doch nach und nach fiel das hessische Vorbild hinter seine Nachahmer zurück: Nicht ein einziges Mal wurden die Honorare der einstmals so innovativen Verträge angepasst, kein Inflationsausgleich trug den steigenden Betriebs- und Personalkosten ambulanter Operationseinrichtungen Rechnung. Doch damit nicht genug: Nun haben die Kassen sogar diese mittlerweile veralteten Strukturverträge gekündigt und verlangen, dass die Operateure ihre Leistungen im Rahmen der gedeckelten Gesamtvergütung und zu wechselnden Punktwerten erbringen.

Seit Erreichen der Budgetgrenzen – in den meisten Praxen also seit Anfang August – gibt es ambulante Operationen nur noch im Notfall. Planbare Eingriffe werden verschoben. Im Zuge dieser Aktion hat der Hessische Chirurgen Verband (HCV) sich mit Unterstützung des BNC erfolgreich an die Medien gewandt. Dank interessierter und kooperativer Redakteure konnten wir die aktuelle untragbare Situation in Zeitungen, Radio und mehreren Fernsehsendungen darstellen. Wir haben der Öffentlichkeit unsere Protestaktion und die Forderung nach Rückkehr zu den alten Strukturverträgen verständlich gemacht. Unsere Patienten sind inzwischen sehr wütend. Sie – und nun auch die Medien – haben verstanden, wo die Schuldigen zu suchen sind. Die Öffentlichkeit ist sensibilisiert.

Alle niedergelassenen Chirurgen in Deutschland sollten die Gunst der Stunde nutzen und endlich kostendeckende Honorare zuzüglich Unternehmergewinn einfordern. Andernfalls sollten wir – bis auf Notfälle – die qualifizierte Operationsleistung verweigern. Liebe Kolleginnen und Kollegen, lasst uns gemeinsam die Wölfe im Schafspelz jagen und echte Kampfmaßnahmen gegen die Kassen einläuten. Ich freue mich über jeden, der sich sich unserem Protest anschließt.“

Das vollständige Editorial sowie einen ausführlichen Artikel über die hessische Protestaktion lesen Sie im aktuellen Chirurgen Magazin.

 
     
 

Antje Soleimanian

 

Mo. 29.08.2005