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Der Gesundheitsökonom warnte die
ambulanten Operateure jedoch vor der Erwartung, dass die Politik mehr Geld
ins System pumpen werde, um diese Unterversorgung abzubauen: „Das
Bruttoinlandsprodukt in Deutschland liegt mittlerweile knapp unter dem
Durchschnitt der Europäischen Union, gleichzeitig geben wir im Vergleich zur
restlichen EU rund ein Drittel mehr Geld für das Gesundheitswesen aus. Die
Politik setzt also nicht aus Willkür auf Kostendämpfung im Gesundheitswesen,
sondern aus wirtschaftlicher Notwendigkeit“. Die Bundesregierung wolle
keineswegs den ambulanten und den stationären Sektor gegeneinander
ausspielen, betonte Lauterbach: „Ich bin in diesem Punkt immer
missverstanden worden.“ Die Abschaffung der doppelten Facharztschiene sei
nicht gleichbedeutend mit der generellen Abschaffung niedergelassener
Fachärzte. Lauterbach empfahl den niedergelassenen Chirurgen daher, sich für
Kooperationen mit Krankenhäusern und den geplanten Medizinischen
Versorgungszentren (MVZ) zu öffnen.
Zur Frage der Vergütung ambulanter Operationen äußerte sich Lauterbach
ebenfalls wider Erwarten ganz im Sinne der niedergelassenen Chirurgen: „Es
muss gleiches Geld für gleiche Leistung geben, egal ob die Leistung im
Krankenhaus oder in der Praxis erbracht wird.“ Er sprach sich für ein
simples Vergütungssystem mit festen Pauschalen aus, wobei die Leistungen in
drei Kategorien aufgeteilt werden müssten: zum einen Leistungen, die
ausschließlich ambulant und nur in begründeten Ausnahmefällen stationär
abgerechnet werden dürfen. In der zweiten Kategorie dann Indikationen, die
wahlweise ambulant oder stationär behandelt werden können, und in der
dritten Kategorie schließlich Eingriffe, die ausschließlich im Krankenhaus
erbracht werden dürfen. Zuschläge in Form eines Qualitätsbonus könnten dann
die Anbieter erzielen, die regelmäßige Weiterbildung und besondere
Qualifikationen nachweisen könnten.
„Unser Berufsverband hat mit seinem Katalog ambulanter und
stationsersetzender Leistungen schon vor Jahren feste Preise für ambulante
Operationen vorgelegt“, erinnerte BNC-Präsident Dr. Dieter Haack und
ergänzte: „Für die 15 häufigsten Eingriffe haben wir mittlerweile auch
Komplexpauschalen kalkuliert, welche die gesamte Behandlung inklusive
präoperativer Diagnostik, Operation, die Versorgung mit Hilfs- und
Arzneimittel sowie die postoperative Betreuung und Rehabilitation für ein
halbes Jahr nach dem Eingriff beinhalten.“ Lauterbach antwortete: „Ich kenne
Ihre Bemühungen auf diesem Gebiet und würde diese Komplexpauschalen gern
einmal in einer Gesprächsrunde mit Ihnen und Vertretern der Kassen auf
Plausibilität prüfen.“ Ärztliche Berufsverbände sollten Lösungsansätze
dieser Art intensiv weiter verfolgen – und zwar mit dem Ziel, Direktverträge
mit den Krankenkassen abzuschließen. „Generell sollten Preise diejenigen
verhandeln, die sich auf fachlicher und auf finanzieller Seite auskennen,
sprich Ärzte und Krankenkassen.“ Die Kassenärztlichen Vereinigungen hingegen
sollten sich mehr und mehr auf eine reduzierte Rolle als Dienstleister
vorbereiten, schloss Lauterbach.
An der berufspolitischen Podiumsdiskussion zum Auftakt des BNC-Kongresses am
Freitag Nachmittag beteiligten sich neben Lauterbach auch Dr. Werner
Gerdelmann, Vorstandsmitglied im Verband der Angestellten-Krankenkassen und
Arbeiter-Ersatzkassen-Verband (VdAK/AEV) und Johann-Magnus von Stackelberg,
Geschäftsführer Gesundheit beim Bundesverband der Allgemeinen
Ortskrankenkassen (AOK), sowie Dr. Michael Hammer, Vorsitzender der
Vertreterversammlung der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV).
Die Resonanz auf den BNC-Kongress übertraf in diesem Jahr sämtliche
Erwartungen der Veranstalter: Insgesamt kamen am Wochenende 789 Chirurgen
nach Nürnberg, um sich über aktuelle Entwicklungen in der Gesundheitspolitik
und in ihren jeweiligen Fachgebieten zu informieren und sich mit Kollegen
auszutauschen. Wir dokumentieren an dieser Stelle einzelne Vorträge und
Diskussionen, ausführliche Artikel finden Sie außerdem in der kommenden
Ausgabe der BNC-Verbandszeitschrift Chirurgen Magazin, die Mitte April
erscheint. |
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